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1. Petrus 4,1-7

In der ökumenischen Bibellese ist heute 1. Petrus 4,1-11 dran;  
den ganzen Text findest du wieder ganz unten angehängt:

1     Weil also Christus als Mensch gelitten hat,
müsst auch ihr euch seine Haltung aneignen.
So seid ihr innerlich gewappnet.
Denn nur wer als Mensch gelitten hat,
hat mit der Sünde abgeschlossen.

2    Er gehorcht dann für den Rest seiner irdischen Lebenszeit
nicht mehr den menschlichen Begierden.
Sondern er wird tun, was dem Willen Gottes entspricht.

Auch zum Anhören 

oder im Festnetz

unter 089 45461404.


Kürzlich habe ich in einer Zeitschrift (GEO 04/2020 Illusionen – Trauen Sie Ihren Augen nicht! Wie Trugbilder unsere Wirklichkeit prägen.) gelesen, wie unser Gehirn es sich einfach macht: Wenn wir etwas sehen, schauen wir gar nicht richtig hin, sondern das Gehirn ruft bereits gespeicherte Bilder ab, um Zeit und Mühe zu sparen. Wir nehmen einen Würfel zum Beispiel gar nicht richtig wahr, sondern sehen nur das Bild von einem Würfel, das unser Gehirn aus den Tiefen seines Bildervorrats  abruft. Vielleicht müssen Männer – Frauen sicher auch – im Baumarkt deswegen alles in die Hand nehmen, um es wirklich wahrnehmen zu können?

Und so ähnlich geht es uns beim Bibellesen auch: Wir lesen oder hören eine bekannte Geschichte oder einen Bibelabschnitt – und wir hören gar nicht mehr genau hin, sondern rufen unbewusst das ab, was wir bereits darüber abgespeichert haben. Oder wir sortieren einen unbekannten und manchmal auch unbequemen Text ganz schnell in das uns bekannte Deutungsmuster ein. Und so, wie es sich lohnt, noch einmal genauer hinzusehen oder im Baumarkt den Hammer in der Hand zu wiegen, so geschieht das genauer hinhören, indem wir Fragen stellen. Oder besser noch: Indem wir die Fragen, die uns beim Lesen aufstoßen, nicht zur Seite schieben, sondern ihnen nachgehen.

Im Hauskreis oder im Bibelgesprächskreis macht es das mitunter etwas anstrengend, und nicht jeder kann sich darauf einlassen: Zuerst wird gefragt, was beim Hören oder Lesen aufgefallen ist. Was zwickt dich im Gehirn, wo schüttelst du innerlich den Kopf, was regt dich vielleicht sogar auf? Es geht also nicht so sehr darum, das abzurufen, was wir ohnehin schon wissen. Sondern Bibelarbeit wird zu richtiger Arbeit, wenn wir dem Unbekannten und den Widersprüchen und Aufregern nachgehen. Und wie das oft so ist: Nach der Mühe ist das Ergebnis umso besser. Wer sich auf das Wort Gottes einlässt, wie es sich uns zeigt, der wird belohnt. Wer aber immer nur Bestätigungen sucht für das, was er ohnehin schon glaubt, der mag sich dabei vielleicht gut fühlen, wird aber mit der Zeit immer unbeweglicher, langweiliger und muffiger.

 

Beim Lesen des heutigen Bibeltextes gab es mehrere solcher Fragepunkte, der erste gleich im ersten Vers: „Denn nur wer als Mensch gelitten hat, hat mit der Sünde abgeschlossen.“ Was könnte das bedeuten? Wie soll das Leiden helfen, nicht mehr zu sündigen? Muss man leiden als Christ? Sündigen Menschen im Leiden weniger oder gar nicht? Fragen über Fragen.

Zunächst fällt im unmittelbaren Kontext auf, dass wir als Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu angesprochen sind. Es geht also nicht um jedes menschliche Leid – was damit nicht abgewertet wird –, sondern um ein Leiden, das sich an Christus orientiert. Die Neue Genfer Übersetzung übersetzt den ersten Teil: „Christus hat also am eigenen Leib erfahren, was Leiden heißt. Macht euch daher seine Einstellung zu eigen, damit ihr für alle Herausforderungen gewappnet seid.“ Damit wird deutlich, dass nicht das Leiden an sich hier gefragt ist, als wenn es einen Eigenwert hätte. Diesen Eindruck kann man ja manchmal bekommen, wenn es um christliche Märtyrer geht. Es gab auch immer wieder einmal eine gewisse Leidenssehnsucht unter Christen, weil damit besondere Verdienste verbunden wurden.

Wir aber sollen uns die Einstellung, die Haltung Jesu zu eigen machen, mit der er als Mensch gelitten hat. Jesus war ja nicht „leidensverliebt“ – im Gegenteil: Sein Beten im Garten Gethsemane zeigt uns das überdeutlich: „Nimm diesen Kelch [des Leidens und des Todes] von mir!“ (Lukas 22,42). Sondern es geht um die Motivation, wozu Jesus das Leiden auf sich genommen hat. „Niemand liebt mehr als einer, der sein Leben für seine Freunde einsetzt.“ (Johannes 15,13) Aus Liebe zu uns Menschen ist Jesus selbst Mensch geworden und hat letztlich den Tod am Kreuz auf sich genommen, um uns mit Gott zu versöhnen.

 

Wenn wir uns entsprechend an Jesus orientieren, können wir uns fragen, ob wir aus Liebe zu Gott und zu anderen Menschen bereit sind, Leiden auf uns zu nehmen. Was ist uns die Hinwendung im Glauben und im Miteinander wert? Wie ist da unsere Prioritätensetzung? Bin ich bereit, Nachteile und sogar körperliche/seelische/psychische Leiden in Kauf zu nehmen – um Gottes willen und um des Nächsten willen? Ganz schön herausfordernde Fragen in unserer Zeit und Welt, wo wir schon oft genug mit unserem üblichen Alltag überfordert sind. In der aktuellen Corona-Krise hat man mitunter den Eindruck, es ist eine Zumutung, dass wir Einschränkungen auf uns nehmen, um andere zu schützen. Und wir fordern, dass der Staat / die Gesellschaft irgendwie für alles aufkommen muss.

Doch unser Bibelwort geht noch weiter: Dieses Leiden um Gottes oder des Nächsten willen soll uns stärker machen, der Sünde zu widerstehen bzw. sie ganz sein zu lassen. Auch da sollten wir den Zusammenhang beachten, um nicht auf ein falsche Fährte zu geraten. In den Versen 3 und 4 wird deutlich, dass es um einen neuen Lebensstil geht, der sich von dem unterscheidet, was allgemein üblich ist. „Sex and Drugs and Rock’n’Roll“ hat einen großen Anreiz, und die Frage ist ja: Warum sollte man es lassen? Früher wurde mit der Moralkeule geantwortet: „Das tut man nicht als Christ!“ Und das hat zu reichlich Heuchelei, Lieblosigkeit und Entfremdung von Gemeinde und Glauben geführt. Wie könnte eine bessere Antwort aussehen?

 

Sicher gibt es auch im Neuen Testament die Antwort „Das gehört sich nicht für einen Christen!“, aber um einiges wesentlicher ist die Orientierung an Jesus, an seiner Motivation, anders zu reden und zu leben, als es allgemein üblich war. Ihm ging es immer um den Menschen, er hat jedem die Liebe Gottes nahe gebracht – besonders auch den Leuten am Rande der Gesellschaft. Und dazu war ihm nichts zu teuer – noch nicht einmal sein eigenes Leben.

Wenn also jemand fragt: Warum sollte ich mich anders verhalten als meine Freunde und Bekannte?, dann würde ich nicht antworten: Weil du dich als Christ unterscheiden sollst, weil du Leiden auf dich nehmen sollst. Als wäre das alles ein Wert an sich. Sondern ich würde fragen: Was willst du mit deinem Leben erreichen? Willst du als Nachfolgerin oder Nachfolger Jesu einen Unterschied im Lebensstil deutlich machen, der auf der Liebe Gottes basiert? Weil du Gott und deinen Nächsten sogar mehr liebst als das eigene Leben? Würde es sich darum nicht sehr lohnen, anders zu leben, oder die Sünde sein zu lassen – um wie Petrus zu sprechen?

 

Ich möchte uns für diesen Tag ermutigen. Wir können beten, liebevoll miteinander umgehen und anderen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Wir dürfen uns von Gottes Liebe herausfordern lassen zu einem Leben in der Abhängigkeit von ihm, das durchaus etwas kosten kann.  

 

Pastor Axel Schlüter

 

Nachbemerkung: In dieser Woche werde ich aus Zeitgründen keine Andacht mehr ausarbeiten können.

 

 

1. Petrus 4,1-11 (BasisBibel)

1       Weil also Christus als Mensch gelitten hat, müsst auch ihr euch seine Haltung aneignen. So seid ihr innerlich gewappnet. Denn nur wer als Mensch gelitten hat, hat mit der Sünde abgeschlossen.

2       Er gehorcht dann für den Rest seiner irdischen Lebenszeit nicht mehr den menschlichen Begierden. Sondern er wird tun, was dem Willen Gottes entspricht.

3       In der Vergangenheit habt ihr ja lange genug so gehandelt, wie es heidnischen Vorstellungen entspricht. Ihr habt ein Leben voller Zügellosigkeit geführt und euren Begierden nachgegeben. Ihr wart dem Alkohol verfallen, habt Fress- und Saufgelage abgehalten und in schändlicher Weise Götzen verehrt.

4       Jetzt wundern sich die Leute, dass ihr bei ihrem zügellosen Treiben nicht mehr mitmacht – und lästern über euch.

5       Aber sie werden Rechenschaft ablegen müssen – vor dem, der schon bereitsteht, Gericht zu halten über die Lebenden und die Toten.

6       Auch den Toten wurde ja die Gute Nachricht verkündet. Denn sie wurden zwar für ihre irdischen Taten verurteilt – wie es für Menschen angemessen ist. Aber durch den Geist Gottes gewinnen sie auch das ewige Leben – so wie es dem Willen Gottes entspricht.

7       Das Ende aller Dinge ist nahe. Seid also besonnen und bewahrt einen klaren Kopf, damit ihr richtig beten könnt.

8       Haltet vor allem mit Ausdauer an der Liebe zueinander fest! Denn die Liebe macht viel Schuld wieder gut.

9       Seid gastfreundlich untereinander, ohne euch zu beklagen.

10     Dient einander – jeder mit der Gabe, die er erhalten hat. So erweist ihr euch als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes.

11     Wenn jemand in der Verkündigung tätig ist, soll er Worte Gottes verkündigen. Wenn jemand für den Gemeindedienst zuständig ist, soll das aus der Kraft heraus geschehen, die Gott gibt. So soll in allem, was ihr sagt und tut, durch Jesus Christus Gott verherrlicht werden. Ihm gehört die Herrlichkeit und Macht für immer und ewig. Amen.

 

COPYRIGHT

Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe© 2016 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart

BasisBibel. Neues Testament und Psalmen, © 2012 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart: www.basisbibel.de

Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft

 

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