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Epheser 4,11

Wir lesen heute noch einmal Epheser 4,11-16 (Einheitsübersetzung);
der ganze Text ist wieder unten angehängt:

Paulus schreibt:

11  Und Christus setzte die einen als Apostel ein, andere als Propheten,
andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer.

 

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oder im Festnetz

unter 089 45461404.


In der letzten Woche haben wir uns dem vierten Kapitel aus dem Epheserbrief gewidmet. Wir haben uns bewusst gemacht, dass Gemeinde einerseits eine geistliche Wirklichkeit als Leib Christi ist, sie aber andererseits inmitten dieser Zeit und Welt lebt – mit allen Herausforderungen, die das mit sich bringt. Diese Ebenen sind auch nicht haarscharf voneinander zu trennen und bedingen sich gegenseitig, wobei das Vertrauen in Christus das alles bestimmende Element sein soll. Und wir haben gesehen, dass sich Gemeinde aus Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu bildet, die alle vom Heiligen Geist geleitet und von ihm mit unterschiedlichen Gaben beschenkt werden. Und schließlich hat Jesus die Leitung der Gemeinde eingesetzt, deren erste Aufgabe darin besteht, jede und jeden in eine geistliche Mündigkeit zu führen. So wächst der Leib Christi und wird auferbaut in Liebe.

Dazu hat Jesus Menschen mit unterschiedlichen Leitungsgaben ausgerüstet. Ausgehend vom Vers 11 hatten wir uns am Freitag die apostolische Begabung und am Samstag die der Prophetie näher angesehen. Heute folgen in einem kurzen Überblick die restlichen drei Leitungsbegabungen.

Die evangelistische Begabung hat ihre Bezeichnung vom Evangelium, also der guten Nachricht oder der guten Botschaft. Dahinter steht der Wunsch und der Auftrag, dass jeder Mensch in dieser Welt die Heilsbotschaft hören und verstehen sollte. Gott liebt nicht nur die Welt so ganz allgemein, sondern jeden einzelnen Menschen. Und er ist in Jesus Christus in diese Welt gekommen, um in Jesu Worten und Taten diese liebevolle Zuwendung Gottes erfahrbar zu machen (Johannes 3,16). Letztlich hat Gott im Tod Jesu am Kreuz und seiner Auferweckung alles beseitigt, was uns Menschen von Gott trennt: Sünde, Tod und Teufel. Gott versöhnte diese Welt mit sich selbst (2. Korinther 5,18-21). Und so wird jeder eingeladen, sich Jesus anzuvertrauen und im Glauben das anzunehmen, was Gott schon längst getan hat.

Wenn jemand nun eine evangelistische Begabung hat, liegt ihm das mehr als anderen auf dem Herzen, diese gute Nachricht weiterzusagen. Und es fällt ihm in der Regel auch leichter, andere Menschen darauf anzusprechen. Und in der Gemeindeleitung befragt er oder sie beständig alles daraufhin ab, ob das Leben der Gemeinde einladend für Außenstehende ist bzw. ob sich die Gemeinde aktiv den Menschen im Umfeld zuwendet.

Die beiden nächsten Begabungen in unserem Vers 11 weisen im griechischen Original eine Besonderheit auf: Während die ersten drei klar voneinander getrennt sind als eigenständige Gaben, stehen Hirten und Lehrer dicht beieinander (in unserer Übersetzung dadurch angedeutet, dass sie nur ein gemeinsames „als“ spendiert bekommen). Offensichtlich sollen der Hirten- und Lehrdienst zwei Seiten der gleichen Medaille sein. Und das ist auch ganz naheliegend.

Die Hirten (immer im Plural!) gehen den anvertrauten Menschen nach, kümmern sich, sind im Gespräch, wenden sich seelsorgerlich zu. Sie sind sozusagen die gelebte Liebe Gottes, die liebevolle Zuwendung, wie sie im Hohenlied der Liebe in 1. Korinther 13,4-7 ein für alle Mal beschrieben wird. Wie sich Gott „rücksichtslos“ uns Menschen zuwendet und sich dabei von keiner Sünde oder Gottlosigkeit abhalten lässt, jeden von uns zu lieben, so auch Menschen mit einer ausgesprochenen Hirtenbegabung.

Und doch wissen wir, dass Liebe mitunter blind macht, manchmal den Überblick verliert oder sich vereinnahmen lässt. Es braucht auch immer die Korrektur durch den Willen Gottes, durch Gottes Wort, wie er es in der Bibel offenbart hat und heute im Heiligen Geist aktuell deutlich macht. Dazu braucht es den Bruder oder die Schwester (!), die mit einer Lehrbegabung beschenkt sind. Sie versuchen, die „ewigen Wahrheiten“ so in die heutige Zeit hinein zu sagen, dass sie verstanden werden können. Eine Lehrbegabung zeichnet sich dadurch aus, dass sie Gottes Wort so sagt, dass es auch heute von Menschen verstanden wird, die vielleicht keine christliche Prägung hinter sich haben. Hirten und Lehrer gehören zusammen, weil in Christus Liebe und Wahrheit keine Gegensätze sind, sondern miteinander Menschen zu Jesus hin verändern.

Nun kommt es gar nicht so sehr darauf an, dass wir die unterschiedlichen Begabungen ganz genau benennen und voneinander unterscheiden können. Sondern wir sollten in die Freiheit geführt werden, uns in unserer Unterschiedlichkeit mit unseren Stärken und Grenzen wahrzunehmen – und uns darin zu ergänzen und zu unterstützen. Freiheit in Christus bedeutet: Ich darf das, womit Jesus mich begabt hat, fröhlich einsetzen, ausprobieren und dazulernen. Ich muss aber nicht alles können, darf Fehler machen, darf auch nein sagen. Im Miteinander in der Gemeinde werden wir den ganzen Reichtum entdecken, den Jesus in uns hinein gelegt hat.

 

Ich möchte uns für diesen Tag ermutigen. Wir können beten, liebevoll miteinander umgehen und anderen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Vielleicht beginnst du mit einem einfachen Gebet, dich auf die spannende Entdeckungsreise zu machen, womit Jesus dich beschenkt hat: Herr, zeige mir, was du mit mir und durch mich heute bewirken möchtest.

 

Pastor Axel Schlüter

 

Epheser 4,11-16 (Einheitsübersetzung)

11  Und Christus setzte die einen als Apostel ein, andere als Propheten,
      andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer,

 

12  um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zuzurüsten, für den Aufbau des Leibes Christi,

13  bis wir alle zur Einheit im Glauben und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zum vollkommenen Menschen, zur vollen Größe, die der Fülle Christi entspricht.

14  Wir sollen nicht mehr unmündige Kinder sein, ein Spiel der Wellen, geschaukelt und getrieben von jedem Widerstreit der Lehrmeinungen, im Würfelspiel der Menschen, in Verschlagenheit, die in die Irre führt.

15  Wir aber wollen, von der Liebe geleitet, die Wahrheit bezeugen und in allem auf ihn hin wachsen. Er, Christus, ist das Haupt.

16  Von ihm her wird der ganze Leib zusammengefügt und gefestigt durch jedes Gelenk. Jedes versorgt ihn mit der Kraft, die ihm zugemessen ist. So wächst der Leib und baut sich selbst in Liebe auf.

 

COPYRIGHT

Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe© 2016 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart

BasisBibel. Neues Testament und Psalmen, © 2012 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart: www.basisbibel.de

 

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