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Epheser 4,11

Wir lesen heute Epheser 4,11-16 (Einheitsübersetzung);
der ganze Text ist wieder unten angehängt:

Paulus schreibt:

11  Und Christus setzte die einen als Apostel ein,
andere als Propheten, andere als Evangelisten,
andere als Hirten und Lehrer.

Auch zum Anhören 

oder im Festnetz

unter 089 45461404.


Wir machen Fortsetzung mit unserer Betrachtung des vierten Kapitels des Epheserbriefes. Gestern haben wir den Hintergrund zum Vers 11 abgeklopft: Wir fragen danach, wie in der Leitung der Gemeinde oder auch von Gruppen oder Arbeitsbereichen die unterschiedlichen Begabungen zum Tragen kommen können.

 

Ich habe von 1985 bis 1990 im Theologischen Seminar in Hamburg studiert – dort war damals die Ausbildungsstelle der Baptisten, die mittlerweile als Theologische Hochschule Elstal in der Nähe von Berlin angesiedelt ist. Und meine Frau und ich hatten in dieser Zeit die Chance, eine Erstausgabe (oder sogar einen Vorabdruck?) von „Der Gabentest“ durchzuarbeiten und dem Autor einige Rückmeldungen geben zu können.  (Mittlerweile ist daraus Die 3 Farben Deiner Gaben geworden, und es ist immer noch sehr wertvolles Arbeitsmaterial.) Ich kann mich gut erinnern, wie mir dieser Gabentest die Augen geöffnet hat für Gemeinde als Organismus der unterschiedlich begabten Menschen. Die geistlichen Gaben sind seitdem für mich nicht mehr irgendwelche übernatürlichen Superkräfte für besonders fromme Christen, sondern die Ausrüstung Jesu für jeden Gläubigen, damit wir heute das tun können, was Jesus an unserer Stelle tun würde.

Damals wurden Geistesgaben so definiert: „Eine geistliche Gabe ist eine besondere Fähigkeit, die der Heilige Geist jedem Christen – nach Gottes Gnade – gibt und die zum Aufbau des Leibes Christi eingesetzt werden muss.“ Jeder Teil dieser Definition ist wichtig; hier nur der Hinweis auf die ‚besondere Fähigkeit‘. In Abwandlung des Kinderspiels für lange Autofahrten könnte man sagen: Ich kann was, das du nicht kannst. Die Art und Weise, wie der Heilige Geist dich oder mich begabt hat, ist einmalig – bei aller Ähnlichkeit mit dem, womit andere begabt wurden. Es gibt rein prozentual gesehen wenig Christen, die ähnlich begabt wurden. Es ist etwas Besonderes, das du oder ich mitbekommen haben, damit wir den Dienst zum Aufbau der Gemeinde wahrnehmen können.

 

Entsprechend wird es einige wenige geben, die nach unserem Bibelwort Epheser 4,11 eine apostolische Begabung von Jesus geschenkt bekommen haben. Wahrscheinlich werden die meisten von uns bei der Rede von Aposteln oder apostolisch das Gefühl haben, dass dies doch wenig mit heute, sondern sehr viel mit ganz früher zu tun hat. Es gab die Zwölf Apostel, also die Gruppe der Jünger, die Jesus als Zeichen, als Kerngruppe des neuen Gottesvolkes berufen hat. Somit waren diese Apostel vor allem Augenzeugen von Jesu Reden und Tun, seinem Sterben und des Auferstandenen. Und dann kommt noch Paulus dazu – und ein paar wenige andere Missionare der ersten Zeit der Gemeinde. Hier und da leuchtet im Neuen Testament auf, dass der Begriff des Apostels sich weiterentwickelt hat. So gab es später in der frühen Kirche „Wanderapostel“, die von Gemeinde zu Gemeinde zogen, um das Evangelium zu verkünden. Römer 16,7 legt nahe, dass auch Frauen Apostel sein konnten; jedenfalls wird dort eine Junia im Kreise der Apostel genannt.

Schwierig wird es nun, diesen Befund mit einer konkreten Tätigkeit zu verbinden. Es scheint aber so, dass Apostel eher etwas mit überregionaler Missions- oder Gemeindegründungsarbeit zu tun gehabt haben. Wie wir das von Paulus in der Apostelschichte vor Augen geführt bekommen. Apostel waren Gesandte Jesu in die weite Welt.

Nun wird es noch schwieriger, das mit dem Leitungsdienst in unserer Gemeinde zu verbinden. Wie soll das gehen, dass apostolisch Begabte in einer Gemeinde sozusagen ortsfest ihren Dienst ausführen? Widerspricht das nicht grundlegend der Aufgabe eines Apostels? Wir sind also herausgefordert, diese großen Scheine mit der Aufschrift „Apostel“ in das Kleingeld unseres Gemeindealltags einzutauschen.

Ich würde es so sagen: In jeder Gemeinde und Gemeindeleitung gibt es Geschwister, die es auf dem Herzen haben, über den Tellerrand der eigenen Gemeinde hinauszuschauen. Sie suchen den Kontakt zu anderen Gemeinden, besuchen zum Beispiel die Treffen der Evangelischen Allianz oder der Ökumene am Ort (ACK). Andere pflegen Beziehungen zu Baptistengemeinden in Bayern, in Deutschland, Europa oder gleich der ganzen Welt. Apostolisch Begabte haben auch die Freiheit, theologisch weiterzudenken; sie finden überall die Schwestern und Brüder und lassen sich von anderen Überzeugungen nicht abschrecken, auch wenn die manchmal schwer nachzuvollziehen sind.

Und hin und wieder führt so eine Begabung dazu, dass jemandem ein Stadtteil aufs Herz gelegt wird, in dem eine neue Gemeinde gegründet werden könnte. Auch wenn ich die genauen Umstände nicht kenne – es muss damals in der Hauptgemeinde München-Holzstraße auch solche Geschwister gegeben haben, die einen Blick für Neuperlach hatten. Und sie haben mit viel Einsatz eine Gemeindegründung samt Neubau voran getrieben. Das sind Schwestern und Brüder, denen der eigene Horizont immer etwas zu eng erscheint.

Wie bei allen Begabungen gibt es immer auch gewisse Einseitigkeiten, so dass es wichtig ist, in ein Team eingebunden zu sein. Wer innerlich immer in der weiten Welt unterwegs ist, verliert hin und wieder den Kontakt zu den Dingen, die vor Ort wichtig sind. Und derjenige oder diejenige kann zuweilen nicht nachvollziehen, dass andere sich so gar nicht daran interessiert sind, auf irgendwelche Konferenzen oder Tagungen zu fahren. Das gilt aber für alle Geistesgaben: Sie nehmen eine wichtige Aufgabe wahr, bereichern das Gemeindeleben, weisen auch auf Defizite hin. Sie haben aber die Tendenz, das eigene Herzensanliegen isoliert zu betrachten und allein für wesentlich zu halten. Um so wichtiger ist es, dass alle Gaben im Team einander fördern und ausgleichen – und bisweilen auch eingrenzen.

 

Ich möchte uns für diesen Tag ermutigen. Wir können beten, liebevoll miteinander umgehen und anderen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. So wollen wir Gemeinde leben mit den Begabungen, die uns Jesus mit auf den Weg gegeben hat. Womit bist du begabt worden, was hat Jesus dir aufs Herz gelegt?

 

 

Pastor Axel Schlüter

 

Epheser 4,11-16 (Einheitsübersetzung)

11     Und Christus setzte die einen als Apostel ein, andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer,

12     um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zuzurüsten, für den Aufbau des Leibes Christi,

13     bis wir alle zur Einheit im Glauben und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zum vollkommenen Menschen, zur vollen Größe, die der Fülle Christi entspricht.

14     Wir sollen nicht mehr unmündige Kinder sein, ein Spiel der Wellen, geschaukelt und getrieben von jedem Widerstreit der Lehrmeinungen, im Würfelspiel der Menschen, in Verschlagenheit, die in die Irre führt.

15     Wir aber wollen, von der Liebe geleitet, die Wahrheit bezeugen und in allem auf ihn hin wachsen. Er, Christus, ist das Haupt.

16     Von ihm her wird der ganze Leib zusammengefügt und gefestigt durch jedes Gelenk. Jedes versorgt ihn mit der Kraft, die ihm zugemessen ist. So wächst der Leib und baut sich selbst in Liebe auf.

 

COPYRIGHT

Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe© 2016 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart

BasisBibel. Neues Testament und Psalmen, © 2012 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart: www.basisbibel.de

 

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