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Epheser 4,7.11-12

Wir lesen heute Epheser 4,7.11-12 (BasisBibel):

Paulus schreibt:

7     Jeder Einzelne von uns hat seinen Anteil an der Gnade erhalten,
die Christus uns schenkt.

11  Und derselbe war es auch, der jedem seine Gaben geschenkt hat:
Die einen hat er zu Aposteln gemacht.
Andere zu Propheten oder zu Verkündern der Guten Nachricht.
Und wieder andere zu Hirten oder Lehrern.

12  Deren Aufgabe ist es, die Heiligen für ihren Dienst zu schulen.
So soll der Leib von Christus aufgebaut werden.

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oder im Festnetz

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Gestern haben wir darüber nachgedacht, dass die Gemeinde als Leib Christi zwar ein geistlicher, übernatürlicher Organismus ist, dass sie aber genauso mitten in dieser Zeit und Welt lebt mit allen damit verbundenen Herausforderungen. Und dass sich diese beiden Realitäten gegenseitig durchdringen und nicht voneinander zu trennen sind. Doch wir leben inmitten dieser Welt im Vertrauen auf den Herrn der Gemeinde, auf Jesus Christus. Er soll uns bestimmen und nicht zuerst oder gar allein die so genannten „Sachzwänge“.

Am Anfang vom vierten Kapitel des Epheserbriefes (Epheser 4,1-6) beschreibt Paulus die Gemeinde in ihrer ganzen von Christus zugesprochenen Schönheit in der Einheit von Liebe, Friede und Hoffnung. Vielleicht liest du es noch einmal nach und hörst darin den Zuspruch Jesu (ab Vers 4). So ist die Wirklichkeit auch unserer Gemeinde – so ist nicht nur das Wunschbild einer idealen Gemeinde.

Und trotzdem sind wir aufgefordert, das zu leben, was wir in Christus bereits sind. Darum geht es in Vers 7: „Jeder Einzelne von uns hat seinen Anteil an der Gnade erhalten, die Christus uns schenkt.“ Jede Nachfolgerin und jeder Nachfolger Jesu hat ein Stück vom großen Kuchen der Gnade Jesu bekommen. Und das ist keine Massenware, sondern ganz speziell ausgesucht und zugeschnitten. Jesus hat jeden von uns begabt und beschenkt. Und diese unterschiedlichen Gaben kommen nun in der Gemeinde zusammen, genauer: sie bilden erst Gemeinde. Ein Organismus ist eben nicht nur eine seelenlose Maschine oder ein toter Bau aus unbeweglichen Steinen, sondern es geht um Kommunikation, Vernetzung, gegenseitige Ergänzung. Wir wollen einander in den Stärken fördern und in den Schwächen ausgleichen.

Während unser Körper – oder jeder andere Organismus – sich irgendwie selbst organisiert, ist das im Leib Jesu nur ansatzweise der Fall. Zwar werden die einzelnen Körperteile vom Heiligen Geist gelenkt mit Jesus als dem Haupt. Das ist in gewisser Weise die unsichtbare Selbstorganisation. In einer idealen Gemeinde müsste sich eigentlich jeder immer gewiss sein, welche Gaben und Aufgaben ihm von Jesus her zukommen. Und natürlich würde jeder auch selbstverständlich diesen Platz ausfüllen – ungefragt, vom Heiligen Geist geleitet.

Von so einer idealen Gemeinde geht aber Paulus offensichtlich nicht aus. Denn zunächst mahnt er sinngemäß: „Lebt, was ihr seid!“ Und dann spricht er ab Vers 11 von der Aufgabe der Gemeindeleitung. Sie soll dafür sorgen, dass die Gemeinde Jesu als Leib mit ihren vielen unterschiedlichen Köperteilen aufgebaut wird.

Und das geht noch konkreter: „Deren Aufgabe ist es, die Heiligen für ihren Dienst zu schulen.“ Das ist doch spannend: In vielen Organisationen, Vereinen, Firmen hat eine Leitung die Aufgabe, übergeordnete Ziele mit ihren Angestellten und Arbeitern zu erreichen – und oft genug auch gegen sie. Wie wir in diesen Tagen wieder deutlich vor Augen geführt bekommen, muss unbedingt Umsatz und Gewinn gemacht werden. Und diesmal noch nicht einmal nur, um die Aktionäre zufrieden zu stellen. Zwar werden die Mitarbeiter auch gefördert mit Schulungen und anderen Maßnahmen, aber letztlich geht es nicht um sie, sondern um die Firma, den Verein.

In der Gemeinde ist das grundlegend anders: Die Gemeindeleitung hat die Aufgabe, die Geschwister zu fördern, zu schulen. Und indem das geschieht, wird der Leib Christi auferbaut. Zwar hat auch Gemeinde eine übergeordnete Aufgabe – wir sollen das Evangelium von Jesus Christus in diese Welt hineintragen. Aber diese Aufgabe wird eben nicht erreicht, indem die einzelnen Gemeindeleute nur Mittel zum Zweck sind. Wer kann wo möglichst effektiv eingesetzt werden. Sondern die Auferbauung geschieht, indem jeder einzelne ermutigt und gefördert wird.

Ich habe das mal irgendwo aufgeschnappt und finde es sehr treffend: In der Gemeinde Jesu geht es nicht um vollmächtige Leitung, sondern um bevollmächtigende Leitung. Wir brauchen in der Gemeindeleitung – oder auch in der Leitung von Gruppen oder Aufgabenbereichen – keine geistlichen Superhelden oder Überflieger. Sondern wir brauchen Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu, denen es besonders am Herzen liegt, andere zu ermutigen, zu fördern und zu unterstützen. Damit wir die Begabungen, die Christus uns aus Gnade geschenkt hat, entdecken und entwickeln können.

Und die Geschwister in der Leitung sind nicht der Gemeinde irgendwie enthoben, als würden sie über allen schweben, als wären sie so etwas wie Mittler zwischen Christus und den Geschwistern. Sondern sie sind genauso eingebunden in diesen Prozess, in dieses Miteinander. Es darf nicht zu einem Gegenüber kommen – hier sind wir und da seid ihr. Deswegen beginnt es in der Leitung, wenn es darum geht, die Begabungen von Jesus her genauer herauszufinden und zu leben. Paulus nennt hier fünf verschiedene Leitungsgaben, die wir uns in den nächsten Tagen noch etwas genauer ansehen wollen. Damit wird deutlich: Die Leitung kann nur dann bevollmächtigend führen, wenn sie selbst im Team arbeitet, in gegenseitiger Ergänzung, in Förderung bei den Stärken, Ausgleich bei den Schwächen.

 

Ich möchte uns für diesen Tag ermutigen. Wir können beten, liebevoll miteinander umgehen und anderen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Jede und jeden von uns hat Christus in seiner Gnade beschenkt mit Gaben und Aufgaben. Wir dürfen danach fragen und sie herausfinden. Und das geht nur im Miteinander der Gemeinde.

 

Pastor Axel Schlüter

 

 

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