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Epheser 4,1-6

Wir lesen heute Epheser 4,1-6 (BasisBibel):

Paulus schreibt:

1     Ich bitte euch als jemand, der in Haft ist, weil er zum Herrn gehört:
Führt euer Leben so, dass es dem entspricht,
wozu Gott euch berufen hat:

2     voller Demut, Freundlichkeit und Geduld.
Ertragt euch gegenseitig in Liebe.

3     Bemüht euch darum, die Einheit zu bewahren,
die sein Geist euch geschenkt hat.
Der Friede ist das Band, das dabei alles zusammenhält.

4     Ihr seid ein Leib und ein Geist lebt in euch.
So ist es ja auch eine Hoffnung, zu der Gott euch berufen hat.

5     Es gibt nur einen Herrn, einen Glauben und eine Taufe.

6     Und ebenso nur einen Gott, den Vater von allem.
Er steht über allem, wirkt durch alles und erfüllt alles.

Auch zum Anhören 

oder im Festnetz

unter 089 45461404.


  

Wir haben gestern den Wahlvorgang unserer Diakonenwahl für die Gemeindeleitung mit einem sehr ermutigenden Ergebnis abgeschlossen. Vielen Dank für das Vertrauen, das darin zum Ausdruck kommt. In einem der nächsten Gottesdienste wird die neue Gemeindeleitung für ihren Dienst gesegnet, fängt aber jetzt schon mal mit der Arbeit an. 

 

Nun haben wir eine neue Gemeindeleitung, und ich will die etwas grundsätzliche Frage stellen: Wozu brauchen wir die eigentlich? Und ich will gleich eine Antwortmöglichkeit anbieten:

Wir brauchen sie, damit der Laden am Laufen gehalten wird. Soll heißen: Es gibt in der Gemeinde – wie in jedem Verein oder Betrieb – so viel zu verwalten, ordnen, planen, durchzuführen, dass die Arbeit auf möglichst viele Schultern verteilt wird. Die Gemeindeleitung ist also für die praktisch-technischen Dinge des Gemeindelebens zuständig. Aus diesem Grund wurde sie in den siebziger Jahren auch gerne „Vorstand“ genannt. Wie in einem DAX-Konzern.

Und da ist natürlich eine ganze Menge dran. Da Gemeinde in dieser Zeit und Welt unterwegs ist, gibt es so viele „weltliche“ Dinge zu tun, dass es für Ehrenamtliche mitunter eine hohe Herausforderung an Zeit und Kraft bedeutet, sich in diesen Dienst zu stellen. Umso dankbarer sind wir für die Geschwister, die sich einbringen – nicht nur in der Gemeindeleitung.

In dem Vorstands-Modell aber waren andere für das „Geistliche“ verantwortlich: die Ältesten, der Pastor oder gleich die ganze Gemeindeversammlung. Man konnte in die Gemeindeleitung gewählt werden mit der Haltung: Ich kümmere mich nur um Haus und Hof oder die Finanzen oder eine bestimmte Gruppe der Gemeinde. Mit geistlichen Dingen aber habe ich so richtig nichts zu tun; das sollen mal schön andere machen.

Wie schon vor einigen Tagen an dieser Stelle gesagt, ist die Aufteilung des Gemeindelebens in „weltlich-diesseitig“ und „geistlich-übernatürlich“ für das Wesen von Gemeinde nicht angemessen. Gemeinde ist immer die geistliche Wirklichkeit als Leib Christi inmitten dieser Zeit und Welt, wie sie nun einmal ist. Und deswegen beeinflusst und durchdringt sich das auch immer gegenseitig.

Wir müssen zum Beispiel mit Geld umgehen: Auf der einen Seite bestimmen unsere Finanzen mit, was wir als Gemeinde tun können oder lassen müssen. Und trotzdem gibt es einen Umgang mit Finanzen im Glauben an Jesus Christus als den Herrn auch über das Geld. Und diese beiden Seiten sind nicht klar voneinander zu trennen. Wir müssen nur aufpassen, dass wir diese Spannung nicht zu einer Seite hin auflösen. Wobei die Herausforderung für uns wahrscheinlich immer eher darin liegt, auch Finanzangelegenheiten im Vertrauen auf Jesus anzugehen. In Finanzmathematik dagegen sind wir in der Regel etwas geübter.

 

Und diese gegenseitige Durchdringung von sachorientierter Gemeindeleitung im Rahmen dieser Zeit und Welt und von geistlicher Führung dürfen wir auch für die Gemeindeleitung nicht aufheben. Auch wenn es unterschiedliche Schwerpunkte und Verantwortlichkeiten für die einzelnen Mitglieder in der Gemeindeleitung gibt, es bedeutet in allen Bereichen ein gemeinsames Leiten und Führen im Team und zusammen mit der Gemeinde.

Und wieder könnte man dieses Miteinander in zwei Richtungen auflösen: In manchen Gemeinden und Kirchen ist die Leitung allein für das Geistliche zuständig. Meistens wird das dann auch noch auf einzelne Amtsträger konzentriert: Priester, Pastor, Ältester, geistlicher Leiter. Diese Einzelpersonen stehen an der Spitze einer Hierarchie, also einer Machtpyramide. Da wird schnell von oben nach unten durchregiert. Als Reaktion darauf wurde das in Gemeinden dann auch gerne umdreht. So wird „die Gemeinde“ der einzige geistliche Souverän, und die Leitung ist letztlich nur Erfüllungsgehilfe für den Willen der vielen Geistlichen. Das nennt man auch „Basisdemokratie“.

Als Baptisten haben wir immer versucht, zwischen beiden Ansätzen einen Mittelweg zu finden. Das ist mitunter nicht einfach, aber wir halten daran fest, dass sich die Gemeinde aus Menschen zusammensetzt, die durch den Heiligen Geist geleitet werden. Von daher können und sollen auch alle Geschwister geistliche Entscheidungen treffen. Das wird in der Mitarbeit und auch in Gemeindeversammlungen deutlich und muss auch von allen ernst genommen werden. Und zugleich muten wir der Gemeindeleitung geistliche Kompetenz und Führungsverantwortung zu. Sie soll nicht nur die Gemeinde verwalten, sondern durchaus im Namen Jesu führen und leiten. Die Geschwister in der Gemeindeleitung tun nicht nur einen Job, sondern werden in einen geistlichen Dienst berufen.

 

Vielleicht ist es dir aufgefallen: Ich bin noch nicht auf das Bibelwort Epheser 4,1-6 eingegangen. Paulus führt uns darin die Einheit von Gemeinde, diese geistliche Wirklichkeit, dieses Miteinander vor Augen. Und das ist die Voraussetzung für das, was er anschließend ab Vers 7 zu der Aufgabe von Gemeindeleitung sagt. Das soll uns in den nächsten Tagen beschäftigen. Aber vielleicht liest du diese sechs Verse im vierten Kapitel des Epheserbriefes noch einmal in Ruhe nach. Und fragst dich, was diese Worte in dir im Blick auf Gemeinde auslösen.

 

Ich möchte uns für diesen Tag ermutigen. Wir können beten, liebevoll miteinander umgehen und anderen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Und wir können für die Geschwister beten, die sich der Leitungsverantwortung in unserer Gemeinde stellen. Nicht nur in der Gemeindeleitung, sondern auch in den Gruppen oder Arbeitsbereichen. Und wir tun das mit der Grundhaltung, dass wir selbst Teil dieser geistlichen Wirklichkeit von Gemeinde sind.

 

Pastor Axel Schlüter

 

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