· 

Johannes 15,9-13

Wir lesen heute rund um den Lehrtext zu den Losungen Johannes 15,9-17;
der ganze Text findet sich wieder unten angehängt:

Jesus spricht:

9     Wie der Vater mich liebt, so liebe ich euch.
Haltet an meiner Liebe fest!

10   Das tut ihr, wenn ihr meine Gebote befolgt. 
Ich befolge ja auch die Gebote meines Vaters
und halte so an seiner Liebe fest.

11   Das habe ich zu euch gesagt, damit meine Freude euch ansteckt. 
Die Freude wird euch ganz und gar erfüllen!

12   Das ist mein Gebot: Ihr sollt einander lieben –
so wie ich euch geliebt habe.

13   Niemand liebt mehr als einer,
der sein Leben für seine Freunde einsetzt.

Auch zum Anhören 

oder im Festnetz

unter 089 45461404.


 

 

Wenn Jesus etwas im Johannesevangelium sagt, dann klingt das erst einmal grundsätzlich anders als in den restlichen drei Evangelien, in den so genannten Synoptikern Matthäus, Markus, Lukas (siehe die Anmerkung ganz unten). Man kann sagen, dass wir hier weniger die Stimme des irdischen Jesus hören als viel mehr die des Auferstandenen. Und diese Worte sind etwas schwer einzuordnen: Auf der einen Seite sprechen sie uns direkt an, weil der erhöhte Herr uns ins Herz spricht. Da ist Trost, Ermutigung, Zuspruch. Auf der anderen Seite sind sie mit dem Verstand nur mühsam zu fassen. Wer immer nur fragt: Was soll das konkret bedeuten? wird nicht sehr weit kommen. So auch in diesem Bibelabschnitt.

 

Zuerst einmal spricht Jesus von der Liebe des Vaters und des Sohnes untereinander und dann zu uns. Das ist die Grundlage von allem. An dieser Liebe Gottes sollen wir festhalten, sie nicht loslassen, sie nicht gering schätzen. Das klingt vielleicht zu selbstverständlich, weil wir das schon so oft gehört haben. Oder für den einen oder anderen ist es auch zu weichgespült, zu wenig konkret: „Immer nur die Liebe ist doch zu einseitig.“ Oder dann wird etwas verächtlich gesagt, man soll doch nicht immer nur vom „lieben Gott“ reden. Und die Liebe Gottes wird ins Gegenüber zu Gottes Gerechtigkeit, Wahrheit oder gar Zorn gesetzt.

Ich vermute, dass diejenigen, die so reden, die Liebe Gottes noch nicht richtig an sich heran gelassen haben. Das kann und will ich gar nicht beweisen und ich will niemandem etwas unterstellen. Doch geht nach diesen Worten unseres auferstandenen Herrn mit der Liebe die Freude einher – sogar vollkommene Freude, die uns ganz und gar erfüllt. Ein freudloses Christsein aber ist nicht nur wenig attraktiv für andere, es lässt auch Rückschlüsse auf den Glauben zu. Das bedeutet nicht, dass Menschen in der Liebe Gottes immer nur fröhlich sind und kein Leid erfahren. Ganz und gar nicht. Aber es spricht von einer Grundhaltung der Freude in Christus, mit der wir uns selbst, unsere Mitmenschen und letztlich auch Gott wahrnehmen.

 

Nun kann man einwenden: Aber hier ist doch von Geboten die Rede, die wir befolgen sollen! Ein Leben in der Liebe Gottes kann doch nicht bedeuten, dass wir keine klaren Regeln mehr haben. Oder dass irgendwie alles schön geredet wird. Liebe bedeutet doch nicht – wie in unserer Gesellschaft –, dass alles erlaubt ist, wenn man sich dabei nur gut genug fühlt. Nun, da kommen wir wieder zu dem Dilemma, dass die Worte Jesu im Johannesevangelium nur schwer mit dem Verstand allein zu fassen sind.

Was sollen denn „die Gebote“ sein? Den einzigen Hinweis bekommen wir in Vers 12: „Das ist mein Gebot: Ihr sollt einander lieben – so wie ich euch geliebt habe.“ Wir halten an der Liebe fest, indem wir die Gebote befolgen. Wir befolgen die Gebote, indem wir einander lieben. Da dreht sich die Argumentation in gewisser Weise im Kreis.

Doch nicht ganz: Unsere Liebe untereinander soll sich am Maßstab Jesu messen. Wie hat er uns denn geliebt? „Niemand liebt mehr als einer, der sein Leben für seine Freunde einsetzt.“ (V.13) Mehr geht ja wohl nicht. Die Liebe Jesu zu uns ist so absolut, dass er sein Leben für uns gegeben hat. Diese hingegebene Liebe Jesu soll das Vorbild für unser Lieben sein.

Vielleicht sagst du dir: Dann doch lieber ein paar konkrete Gebote, die ich befolgen kann. Da weiß ich wenigstens, woran in bin. Da kann ich überprüfen, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Aber hingegebene Liebe wie Jesus? Das klingt ein paar Nummern zu groß. Das kann ich doch gar nicht leisten.

Und das stimmt auch wieder ganz und gar: Niemand kann so lieben wie Jesus. Schon gar nicht aus eigener Kraft. Aber wir können uns von Gott lieben lassen und dürfen diese Liebe weitergeben. „Gott hat seine Liebe in unsere Herzen hineingegossen. Das ist durch den Heiligen Geist geschehen, den Gott uns geschenkt hat.“ (Römer 5,5) Und da schließt sich der Kreis: Wir sollen an der Liebe festhalten, indem wir die Gebote halten. Die Gebote halten bedeutet, einander so hingegeben zu lieben, wie Jesus uns mit seinem Leben geliebt hat. Und das geht nicht aus uns selbst, sondern wird uns im Heiligen Geist geschenkt.

 

Ich möchte uns für diesen Tag ermutigen. Wir können beten, liebevoll miteinander umgehen und anderen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Und wir dürfen um die Erfüllung mit dem Heiligen Geist beten, dass er uns mit der Liebe Gottes ausfüllt – mit der Liebe, in der wir einander lieben sollen.

 

Mit herzlichen Grüßen,

Axel

 

 


Pastor A. Schlüter – EFG München-Perlach –

Bitte beachten:

E-Mails sind kein sicherer Kommunikationsweg und können möglicherweise durch Unbefugte mitgelesen werden!

 

Johannes 15,9-17 (BasisBibel)

Jesus spricht:

9       »Wie der Vater mich liebt, so liebe ich euch. Haltet an meiner Liebe fest!

10     Das tut ihr, wenn ihr meine Gebote befolgt. Ich befolge ja auch die Gebote meines Vaters und halte so an seiner Liebe fest.

11     Das habe ich zu euch gesagt, damit meine Freude euch ansteckt. Die Freude wird euch ganz und gar erfüllen!

12     Das ist mein Gebot: Ihr sollt einander lieben – so wie ich euch geliebt habe.

13     Niemand liebt mehr als einer, der sein Leben für seine Freunde einsetzt.

14     Ihr seid meine Freunde, wenn ihr meine Gebote befolgt.

15     Ich bezeichne euch nicht mehr als Diener. Ein Diener weiß nicht, was sein Herr tut. Ich nenne euch Freunde. Denn ich habe euch alles gesagt, was ich von meinem Vater gehört habe.

16     Nicht ihr habt mich ausgewählt, sondern ich habe euch ausgewählt. Ich habe euch dazu bestimmt, dass ihr hinausgeht und reiche Frucht bringt. Eure Frucht wird Bestand haben: Alles, worum ihr den Vater in meinem Namen bittet, das wird er euch geben.

17     Das ist mein Gebot für euch: Ihr sollt einander lieben!«

 

COPYRIGHT

BasisBibel. Neues Testament und Psalmen, © 2012 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart: www.basisbibel.de

 

Anmerkung zum Johannesevangelium:

      Wer sich sehr detailliert über die Unterschiede zwischen den synoptischen Evangelien (Mt Mk Lk) und dem Johannesevangelium informieren will, dem sei der Vortrag „Das besondere Evangelium – Wie unterscheidet sich das Johannes-Evangelium von den drei anderen Evangelien?“ von Prof. Dr. Siegfried Zimmer empfohlen. Hier zu finden.

  

Bankverbindung Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde München-Perlach (Christuskirche)

 

IBAN DE95 5009 2100 0000 6313 10 / SKB Bad Homburg

Kommentar schreiben

Kommentare: 0