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1. Petrus 1,13-16

Wir lesen heute in der ökumenischen Bibellese 1.Petrus 1,13-16 (BasisBibel):

13  Deshalb macht euch bereit. Bewahrt einen klaren Kopf.
Setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade,
die euch bei der Offenbarung von Jesus Christus zuteilwird.

14  Lasst euch als gehorsame Kinder
nicht von euren früheren Begierden leiten.
Sie beherrschten euch, als ihr noch unwissend wart.

15  Vielmehr sollt ihr in eurer ganzen Lebensführung heilig werden –
so wie der heilig ist, der euch berufen hat.

 

16  In der Heiligen Schrift steht:
»Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.«

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Macht euch bereit. Bewahrt einen klaren Kopf.“ – So wird in der BasisBibel übersetzt. Im griechischen Original gebraucht Petrus ein Bild, das zu seiner Zeit verständlich war, mit dem wir aber nichts mehr anfangen können: „Umgürtet die Lenden eures Sinnes, seid ganz nüchtern.“ Da Hosen noch unbekannt waren, trugen alle Leute lange Gewänder, also sozusagen Kleider. Und die Kleiderträgerinnen unter uns können das vielleicht bestätigen: So etwas eignet sich nicht sonderlich gut zum Joggen. Deswegen steckte man bei der Arbeit den unteren Rocksaum in den Gürtel, verkürzte damit das Gewand und konnte schneller und spontan loslaufen. Die Stolpergefahr war wesentlich gebannt.

Sinngemäß will uns Petrus deutlich machen: Lasst euch vom Alltag nicht einschläfern, bleibt aufmerksam, habt einen regen Verstand, damit ihr auf die Veränderungen schnell reagieren könnt. Menschen, die Jesus nachfolgen, sollen also aufgeweckte Leute sein, die mitten im Leben stehen, sich nicht auf vermeintliche Sicherheiten zurückziehen.

 

Vielleicht erinnerst du dich an eine Situation, in der du spontan sein musstest, schnell eine Entscheidung fällen wolltest: Da kommt es doch sehr auf die Grundlagen an. In welchem Rahmen bewege ich mich, mit welcher Haltung gestalte ich mein Leben? Wenn die Basis stimmig ist, fällt es uns wesentlich leichter, auch auf Unerwartetes zu reagieren. Das gilt für uns persönlich, das gilt aber auch in der Partnerschaft oder Familie.

Petrus spricht hier die Grundlagen an. Als Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu können wir uns entweder an der Gnade Gottes orientieren oder an den „früheren Begierden“. An diese Stelle müssen wir aufpassen, dass wir diese Geschichte nicht nur auf irgendwelche moralischen Fragen reduzieren. In der Gefahr steht gerade die fromme Christenheit immer wieder. Petrus meint es aber wesentlich grundsätzlicher: Von welchen Maßstäben lasse ich mich leiten, was bestimmt mein Leben?

Und er gibt uns eben zwei Haltungen zur Auswahl: entweder nach der Art und Weise dieser Zeit und Welt oder in der von Gott gegebenen Gnade. Aufgepasst: Wir sind hier als Christen angesprochen! Wir können uns weiterhin nach dem ausrichtet, was in unserer Gesellschaft üblich ist. Dann geht es um Erfolg, Sicherheiten, Anerkennung, Recht haben, Lustgewinn, und noch viele andere Dinge, die das Leben bestimmen. Das bedeutet nicht, dass das alles falsch oder „sündig“ wäre, sondern die Frage steckt dahinter: Was gibt mir den Halt, das Fundament, den Rahmen für mein Leben? Was motiviert mich, hilft mir zu Entscheidungen, lässt mich aufmerksam sein, ist mein innerer Kompass?

Und Petrus weist uns auf eine andere Grundlage hin: „Setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch bei der Offenbarung von Jesus Christus zuteilwird.“ Wer sich mit Jesus auf den Weg gemacht hat, lebt aus der Gnade Gottes. Das gibt eine überweltliche Sicherheit, einen Halt in Gott, das verschiebt die Umrahmung des Lebens. Wir sind nicht mehr auf uns selbst gestellte Einzelkämpfer inmitten einer unfreundlichen Welt, sondern wir sind Kinder Gottes geworden. Wir sind immer noch inmitten einer unfreundlichen Welt, aber haben ein anderes Fundament bekommen.

 

Wie können wir dieses neue Leben in der Gnade Gottes einüben, so dass es für uns und für unsere Mitmenschen tatsächlich einen Unterschied zu der allgemein üblichen Lebensgestaltung ausmacht? Petrus versucht das mit dem Wort „heilig“ zum Ausdruck zu bringen. Gott ist heilig und er hat uns in die Kindschaft berufen – und so sollen auch wir in unserer ganzen Lebensführung heilig werden.

Auch da müssen wir wieder aufpassen, nicht einem irreführenden Verständnis aufzusitzen. Nach wie vor versteht man unter einem oder einer Heiligen besonders besondere Menschen, die im geistlich-religiösen Bereich erhebliche Leistungen aufzuweisen haben. Um heilig gesprochen zu werden, muss man neben einem herausragenden Leben auch nachweisbar Wunder vollbracht haben. Und dass es dann auch noch komische Heilige gibt, zeigt deutlich, dass richtig echte Heilige eigentlich nichts mit unserem ganz gewöhnlichen Leben zu tun haben. Die können schnell etwas absonderlich sein.

Doch wir sollten uns von dieser Auffassung frei machen, wie sie im Laufe der Kirchengeschichte gewachsen ist. Heilig ist nach biblischem Verständnis erst einmal jemand (oder etwas), der ganz und gar von Gott angenommen, akzeptiert ist, von ihm geprägt wird und so zu ihm gehört. Heilig sein ist also keine Leistung, die wir erbringen, um von Gott angenommen zu werden. Sondern das ist die neue Wirklichkeit der Kinder Gottes – ein Leben aus Gnade.

 

Aber! Dennoch bleibt die Mahnung deutlich bestehen, dass wir in unserer ganzen Lebensführung heilig werden sollen. So sehr also Gott uns in seiner Gnade geheiligt hat, so sehr werden wir aufgefordert, entsprechend zu leben. Lebe das, was du bereits bist! Habe den Mut, auf die Gnade Gottes zu bauen! Vertraue dich in den Herausforderungen des Alltags der Fürsorge und Leitung Gottes an! Und so wirst du heilig in deiner Lebensführung, weil du dich auf das verlässt, was Gott bereits getan hat und dir zusagt. Du bist ein berufenes Kind Gottes. Lebe also entsprechend.

 

Ich möchte uns für diesen Tag ermutigen. Wir können beten, liebevoll miteinander umgehen und anderen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Und wir können einen Unterschied zu dem Üblichen deutlich machen, indem wir aus dem Vertrauen in Gott unseren Alltag gestalten.

 

Pastor Axel Schlüter

 

 

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