· 

1. Korinther 16,21-24

Wir lesen heute noch einmal 1. Korinther 16,13-24;
der ganze Text findet sich wieder unten angehängt.

21   Meinen persönlichen Gruß schreibe ich, Paulus, mit eigener Hand.

22   Wer den Herrn nicht liebt, soll verflucht sein! Marana ta!

23   Die Gnade des Herrn Jesus sei mit euch!

24   Meine Liebe gilt euch allen,
die ihr durch Christus Jesus mit mir verbunden seid!

Auch zum Anhören 

oder im Festnetz

unter 089 45461404.


 

Vielleicht ist es dir gestern auch so ergangen, als du diesen Textabschnitt gelesen hast: Da freut man sich an den Grüßen und guten Wünschen, die Paulus der Gemeinde in Korinth zuspricht, dann kommt er zum Ende seines Briefes, und dann das: „Wer den Herrn nicht liebt, soll verflucht sein!“ Das wirkt völlig deplatziert wie eine kalte Dusche aus heiterem Himmel. Was hat er sich dabei nur gedacht? Und vor allem: Was soll das?

Wenn wir auf solche Bibelstellen stoßen, können wir ganz unterschiedlich damit umgehen: Wir schütteln den Kopf und gehen zur Tagesordnung über. Oder wir regen uns auf – in diesem Fall – über Paulus und haben es ja immer schon gewusst, dass man manche Aussagen von ihm nicht ernst nehmen darf. Oder wir nehmen uns so einen Satz zum Vorbild und fangen auch an, Menschen zu verfl… – na, das dann wohl doch nicht. Oder wir schauen noch einmal genauer hin. Und das wollen wir jetzt tun.

Zunächst der Hintergrund, warum Paulus hier betont, dass er „mit eigener Hand“ schreibt. Natürlich beherrschte er das Griechisch seiner Zeit fließend in Wort und Schrift. (An dieser Stelle grüßen wir alle Eltern und Kinder im Homeschooling und alle Lehrerinnen und Lehrer in besonderen Herausforderungen.) Aber damals gab es noch keine Computer, mit dem man jedes Wort und jeden Satz beliebig korrigieren, umstellen und überarbeiten kann. Sondern die Schreibmaterialien waren teuer, und da musste jedes Wort sofort sitzen. Deswegen gab es den Beruf des Schreibers, dem man die Texte diktiert hat. So hat es auch Paulus gehalten und nur ganz am Ende noch ein paar Zeilen mit eigener Hand hinzugefügt (so auch in Galater 6,11; Kolosser 4,18; 2. Thessalonicher 3,17).

 

Jetzt schreibt er also spontan ein paar Zeilen, bevor der Brief versiegelt und auf den Weg gebracht wird. Und das erste, was ihm einfällt ist ein Fluch über die Menschen, die den Herrn Jesus nicht lieb haben? Ganz schön starker Stoff. Was könnte das bedeuten?

Wenn man diesen Satz zunächst in seinem Wortgebrauch – im griechischen Original – anschaut, dann nimmt Paulus hier ein Wort für lieben, das er sonst nie gebraucht. Sonst spricht er von der Agápe, der göttlichen Liebe (so auch in Vers 24). Hier ist lieben aber von der Philía abgeleitet, eigentlich der freundschaftlichen Liebe. Und daran schließt sich direkt der Ruf Marána thá, eigentlich einem aramäischen Wort, das am besten mit „Unser Herr, komm!“ übersetzt wird. Dieser Zusammenhang lässt es wahrscheinlich werden, dass Paulus hier nicht spontan einen Fluch ausspricht, sondern dass der ganze Vers 22 ein Zitat ist – wahrscheinlich aus Worten, die während des Abendmahls in der frühen Gemeinde gesprochen wurden.

So wäre dieser Satz keine aktive Verfluchung von Leuten, die Jesus nicht lieben, sondern eher die kurzgefasste Warnung, die wir in 1. Korinther 11,28-29 etwas ausführlicher in Bezug auf das Abendmahl lesen: „Jeder Mensch soll für sich selbst überprüfen [ob er das Abendmahl nehmen sollte]! Und nur wenn er besteht, soll er vom Brot essen und aus dem Becher trinken! Denn wer isst und trinkt, ohne zu beachten, dass es sich um den Leib des Herrn handelt – für den gilt: Mit diesem Essen und Trinken spricht er sich selbst das Urteil.

 

Das bedeutet nun mindestens zweierlei: Auf keinen Fall wendet sich Paulus gegen Menschen, die Jesus noch gar nicht kennengelernt haben. Also im Sinne von „Fluch über die Ungläubigen!“ Das mag es in anderen Religionen geben, wir aber glauben an einen Gott, der sich selbst für die Sünder – also die von Gott getrennten Menschen – hingegeben hat. Jedem Menschen gilt die liebevolle Zuwendung Gottes in Jesus Christus. Und so dürfen und wollen wir auch jeden einladen, sich Jesus Christus anzuvertrauen.

Sondern Paulus zitiert am Ende seines Briefes fest geprägte Sätze aus der Abendmahlsliturgie und das im Zusammenhang mit Segensworten wie „Die Gnade des Herrn Jesus sei mit euch!“. Dann geht es ihm nicht um den genauen Inhalt dieser Worte. Sondern sie sind für Paulus so etwas wie Marker, wie Hinweiszeichen auf eine Sehnsucht, die er damit zum Ausdruck bringt. Er sagt damit sinngemäß: Am liebsten würde ich gerne unmittelbar Gemeinschaft mit euch haben, mit euch Abendmahl feiern. Doch das geht jetzt gerade nicht, weil knapp 400 Kilometer Luftlinie und das Ägäische Meer zwischen uns liegen.

 

Und damit sind wir ganz überraschend bei uns selbst angekommen. Auch wir würden gerne wieder unmittelbar Gemeinschaft haben, das Abendmahl miteinander feiern. Doch das geht im Moment noch nicht. Und wenn wir uns wieder treffen können, wird das auch auf Monate hin nur unter strengen Vorsichtsmaßnahmen erfolgen. Diese Situation müssen wir nicht nur aushalten, sondern wir sollten das Beste daraus machen. Und wir haben einen großen Vorteil gegenüber Paulus und seiner Zeit: Wir reden miteinander per Telefon und sehen uns sogar per Videochat. Das ist schon mal viel wert. Und wir sind in der Liebe Jesu miteinander verbunden – das nun hat sich seit Paulus nicht geändert. Das geht auch ohne moderne Technik – im Heiligen Geist.

 

Ich möchte uns für diesen Tag ermutigen. Wir können beten, liebevoll miteinander umgehen und anderen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Und wir können einander segnen: Die Gnade unseres Herrn Jesus sei mit euch, sei mit dir!

 

Pastor Axel Schlüter

 

 

1. Korinther 16,13-24 (BasisBibel)

13     Seid wachsam! Haltet am Glauben fest! Seid mutig und stark!

14     Alles, was ihr tut, soll mit Liebe geschehen!

15     Ich habe noch eine Bitte an euch, Brüder und Schwestern: Ihr kennt doch die Familie des Stephanas. Sie war die erste in der Achaia, die zum Glauben gekommen ist. Sie hat sich ganz in den Dienst der Heiligen gestellt.

16     Ich bitte euch: Achtet sie – und genauso alle, die wie sie mitarbeiten und sich abmühen!

17     Ich freue mich, dass Stephanas, Fortunatus und Achaikus bei mir sind. Sie haben mich dafür entschädigt, dass ihr nicht hier sein könnt.

18     Bei ihnen konnte ich innerlich zur Ruhe kommen – und ihr ebenso! Schenkt solchen Leuten Anerkennung!

19     Die Gemeinden in der Provinz Asien lassen euch grüßen. Herzliche Grüße senden euch Aquila und Priska samt der Gemeinde, die sich in ihrem Haus trifft. Sie sind durch den Herrn mit euch verbunden.

20     Überhaupt grüßen euch alle Brüder und Schwestern. Grüßt einander mit dem heiligen Kuss!

21     Meinen persönlichen Gruß schreibe ich, Paulus, mit eigener Hand.

22     Wer den Herrn nicht liebt, soll verflucht sein! Marana ta!

23     Die Gnade des Herrn Jesus sei mit euch!

24     Meine Liebe gilt euch allen, die ihr durch Christus Jesus mit mir verbunden seid!   

 

COPYRIGHT

BasisBibel. Neues Testament und Psalmen, © 2012 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart: www.basisbibel.de

 

Bankverbindung Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde München-Perlach (Christuskirche)

 

IBAN DE95 5009 2100 0000 6313 10 / SKB Bad Homburg

Kommentar schreiben

Kommentare: 0