· 

1. Korinther 16,13-24

Wir lesen heute in der ökumenischen Bibellese 1. Korinther 16,13-24;

der ganze Text findet sich wieder unten angehängt.

17   Ich freue mich, dass Stephanas, Fortunatus und Achaikus bei mir sind.
Sie haben mich dafür entschädigt, dass ihr nicht hier sein könnt.

 

18  Bei ihnen konnte ich innerlich zur Ruhe kommen – und ihr ebenso! Schenkt solchen Leuten Anerkennung!

Auch zum Anhören 

oder im Festnetz

unter 089 45461404.


 

 

Mit diesem Textabschnitt endet der Brief, den der Apostel Paulus um 54 n. Chr. von Ephesus aus an die Gemeinde in Korinth geschrieben hat. Unser erster Korintherbrief ist tatsächlich aber schon der zweite (siehe 1. Korinther 5,9) in einem regen Briefwechsel, der uns nur zum Teil erhalten ist. Die Korintherbriefe sind keine Kunstbriefe, wie wir es ja manchmal als literarische Form in einem Roman lesen. Sie sind auch keine theologischen Beiträge für die Diskussion unter Fachleuten. Sondern es handelt sich um echte Briefe in einer konkreten Situation zwischen Paulus und der Gemeinde in Korinth. Diese hatte er ein paar Jahre vorher gegründet und in der lebte er für eineinhalb Jahre.

Diese persönliche Verbundenheit wird in diesem letzten Abschnitt deutlich. Paulus grüßt nicht nur ein paar alte Bekannte und lässt von seinen Mitstreitern grüßen, sondern er kümmert sich auch gleich noch seelsorgerlich um deren Wohlergehen. Auch wenn dieser Abschnitt ein wenig wie eine unverbundene Ansammlung von Grüßen und Hinweisen wirkt, so gibt es dennoch einen Rahmen: Paulus beginnt mit der Liebe (V.14) „Alles, was ihr tut, soll mit Liebe geschehen!“ und endet auch so (V.24) „Meine Liebe gilt euch allen, die ihr durch Christus Jesus mit mir verbunden seid!“.

 

Dass die Liebe das Wichtigste auf dieser Welt ist, darüber lässt sich wohl kaum streiten. Ob in unserer Gesellschaft, in Partnerschaft und Familie oder in der Gemeinde – Liebe hält Beziehungen zusammen und am Leben. Auch wenn nicht alle das Gleiche darunter verstehen werden, ohne Liebe ist alles nichts. Wie aber können wir Liebe zum Ausdruck bringen?

In unserer Sprache und unserem Sprachempfinden ist das gar nicht so einfach. Wenn man jemandem sagt „Ich liebe dich!“, dann sind diese Worte schon ziemlich eindeutig in Richtung Partnerschaft reserviert. Dieser kurze Satz genießt eine gewisse Exklusivität und hat einen Zauber inne. Das sagt man nicht einfach so daher und hoffentlich auch nicht aus Berechnung. Sondern dieser Satz ist für besondere Momente vorgesehen. Vielleicht ist heute so ein besonderer Moment inmitten vom Alltagsstress für deinen Partner, deine Partnerin?

Etwas weniger intensiv ist das „Ich hab‘ dich lieb.“ Das können Eltern zu ihren Kindern oder Großeltern zu den Enkeln sagen – und umgekehrt. Damit wird ebenfalls eine besondere Beziehung zum Ausdruck gebracht: Wir stehen uns nahe, ich bin für dich da, ich nehme dich so an, wie du bist, du hast einen wichtigen Platz in meinem Herzen. Wenn du dich überprüfst, wirst du schnell feststellen, wie deine Familientradition beziehungsweise Gewohnheit aussieht: Seid ihr darin geübt, so miteinander zu reden? Vielleicht ist heute eine gute Gelegenheit, innerhalb deiner Familie etwas sprachfähiger zu werden!

Doch wie können wir jemandem unsere Liebe zum Ausdruck bringen außerhalb von Partnerschaft oder Familie oder anderen engen Beziehungen? Wenn ich jemandem, mit dem ich durchaus freundschaftlich verbunden bin, ein „Ich hab‘ dich lieb!“ sagen würde, dann wäre das doch sehr eigenartig. Ich jedenfalls wäre irritiert. Wie also könnten wir unsere Liebe ausdrücken?

 

Paulus hatte Gutes von Stephanas, Fortunatus und Achaikus erfahren – wer immer das gewesen ist. Sie müssen wohl aus Korinth stammen und haben ihn in Ephesus aufgesucht. Sie haben sozusagen die Grüße aus der Gemeinde überbracht. Doch das war nicht alles. In unserer Übersetzung lesen wir: „Bei ihnen konnte ich innerlich zur Ruhe kommen – und ihr ebenso!“ Sie waren wohl darin sehr begabt, dass man sich in ihrer Gegenwart wohl fühlt, zu Hause ist. Das gleiche Wort für „Ruhe finden oder gewähren“ lesen wir auch gleich zweimal in dem Zuruf Jesu in Matthäus 11,28-29: „Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid! Bei mir werdet ihr Ruhe finden. Nehmt das Joch auf euch, das ich euch gebe. Lernt von mir: Ich meine es gut mit euch und sehe auf niemanden herab. Dann wird eure Seele Ruhe finden.

Die drei Brüder aus Korinth waren also für Paulus so etwas wie Stellvertreter Christi. Sie haben ihm diese Ruhe in Jesus vermitteln können. Wörtlich könnte man auch übersetzen: „Sie ließen meinen Geist zur Ruhe kommen und euren ebenso.“ Bei ihnen kam sein Geist zur Ruhe. Wenn Paulus vom menschlichen Geist schreibt, dann meint er damit seine Gedanken, Überlegungen, Empfindungen, sein Selbst, sein Personbewusstsein. Sie sind für ihn also im Namen Jesu wie ein Ruheraum geworden.

 

Und dann fordert Paulus seine Leser auf, den drei Brüdern die Anerkennung zu schenken, die ihnen zukommt. Anders gesagt: Die Gemeinde soll ihnen ihre Liebe zum Ausdruck bringen, indem sie ihnen Anerkennung schenkt. Das ist doch schon mal ein guter Hinweis, wie wir diese Aufforderung umsetzen können: „Alles, was ihr tut, soll mit Liebe geschehen!“ Anerkennung schenken bedeutet, dass wir achtsam miteinander umgehen, dass wir überhaupt wahrnehmen, was der oder die andere tut. Und Anerkennung ist vorbehaltlos positiv. Das bedeutet, dass wir einander nicht zuerst kritisieren – darin sind wir ja eigenartigerweise mitunter sehr geübt. Sondern erst einmal dankbar festhalten und zum Ausdruck bringen, was mir der andere bedeutet als Person und in seinem Tun.

Zwei Beispiele: Es gibt einige aus unserer Mitte, die sich täglich bis wöchentlich um Haus, Hof und Garten kümmern. Ihnen sei an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön ausgesprochen – und hoffentlich gibt es im persönlichen Gespräch die Anerkennung, die ihnen zusteht! Oder es gibt andere, die regelmäßig zum Telefonhörer greifen und sich um das Wohlergehen erkundigen. Das sind die Geschwister, bei denen der Mensch zur Ruhe kommen kann, die in diesen besonderen Zeiten dafür entschädigen, dass wir nicht zusammenkommen können (siehe sinngemäß Vers 17). Auch ihnen gilt unsere Dankbarkeit. Vielleicht ist es an der Zeit, das auch im Gespräch zu formulieren?

 

Ich möchte uns für diesen Tag ermutigen. Wir können beten, liebevoll miteinander umgehen und anderen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Und wir können uns darin einüben, einander in Liebe zu begegnen: „Alles, was ihr tut, soll mit Liebe geschehen!

 

Pastor Axel Schlüter

 

1. Korinther 16,13-24 (BasisBibel)

13     Seid wachsam! Haltet am Glauben fest! Seid mutig und stark!

14     Alles, was ihr tut, soll mit Liebe geschehen!

15     Ich habe noch eine Bitte an euch, Brüder und Schwestern: Ihr kennt doch die Familie des Stephanas. Sie war die erste in der Achaia, die zum Glauben gekommen ist. Sie hat sich ganz in den Dienst der Heiligen gestellt.

16     Ich bitte euch: Achtet sie – und genauso alle, die wie sie mitarbeiten und sich abmühen!

17     Ich freue mich, dass Stephanas, Fortunatus und Achaikus bei mir sind. Sie haben mich dafür entschädigt, dass ihr nicht hier sein könnt.

18     Bei ihnen konnte ich innerlich zur Ruhe kommen – und ihr ebenso! Schenkt solchen Leuten Anerkennung!

19     Die Gemeinden in der Provinz Asien lassen euch grüßen. Herzliche Grüße senden euch Aquila und Priska samt der Gemeinde, die sich in ihrem Haus trifft. Sie sind durch den Herrn mit euch verbunden.

20     Überhaupt grüßen euch alle Brüder und Schwestern. Grüßt einander mit dem heiligen Kuss!

21     Meinen persönlichen Gruß schreibe ich, Paulus, mit eigener Hand.

22     Wer den Herrn nicht liebt, soll verflucht sein! Marana ta!

23     Die Gnade des Herrn Jesus sei mit euch!

24     Meine Liebe gilt euch allen, die ihr durch Christus Jesus mit mir verbunden seid!   

 

COPYRIGHT

BasisBibel. Neues Testament und Psalmen, © 2012 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart: www.basisbibel.de

 

Bankverbindung Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde München-Perlach (Christuskirche)

IBAN DE95 5009 2100 0000 6313 10 / SKB Bad Homburg

Kommentar schreiben

Kommentare: 0