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1. Korinther 16,1-4

Wir lesen heute in der ökumenischen Bibellese 1. Korinther 16,1-12;
der ganze Text findet sich wieder unten angehängt.

1     Nun noch ein Wort zur Spendensammlung
für die Heiligen in Jerusalem: 
Macht es so, wie ich es auch für die Gemeinden in Galatien angeordnet habe:

2    Am ersten Tag jeder Woche soll jeder von euch etwas zurücklegen. 
Er soll so viel ansammeln, wie ihm möglich ist. 
Denn ihr sollt mit dem Spendensammeln nicht erst dann anfangen, wenn ich komme!

3    Wenn ich dann da bin, werde ich diejenigen losschicken,
die ihr für geeignet haltet. 
Sie bekommen Briefe mit und sollen eure Gaben
nach Jerusalem bringen.

4    Wenn es sich aber empfiehlt, dass ich selbst hinreise,
sollen sie mit mir kommen.

Auch zum Anhören 

oder im Festnetz

unter 089 45461404.


Wenn du in den letzten Tagen die Bibellese mitverfolgt hast, reibst du dir jetzt vielleicht verwundert die Augen: Gerade ging es im Kapitel 15 vom 1. Korintherbrief noch um sehr hochkarätige Themen wie Auferweckung der Toten und ziemlich unvorstellbare Dinge wie die Wiederkunft Jesu. Und jetzt auf einmal geht es ums schnöde Geld. Nun könnten wir das für uns folgendermaßen einteilen: Nachdem Paulus die geistlichen Themen abgearbeitet hat, hängt er noch ein paar praktische, technische Hinweise dran. Der Vollständigkeit halber sind sie zwar auch in der Bibel enthalten, aber eigentlich hat das mit geistlichen Inhalten so richtig nichts zu tun.

Diese Einteilung in geistliche und praktisch-weltliche Themen würde aber mindestens zwei Dinge übersehen:

Zuerst einmal hängt alles mit allem zusammen. In der Gemeinde können wir diese Unterscheidung gar nicht treffen – auch wenn wir das manchmal gerne so hätten. Wir merken ja gerade in dieser Coronakrise, wie uns das auch geistlich betrifft. Und jeder, der schon mal in der Gemeindeleitung oder einer Gruppe mitgearbeitet hat, weiß das: Die trockensten Entscheidungen über Finanzen oder praktische Dinge wirken sich immer auch geistlich aus. Beziehungsweise können sie nur in einer Haltung getroffen werden, die im Vertrauen und Hören auf Gott gegründet ist.

Wir sollten diese Unterscheidung zwischen geistlich und allem anderen ganz schnell hinter uns lassen. Das hilft uns auch, die Dienste in der Gemeinde richtig zu würdigen. Ich jedenfalls ärgere mich jedes Mal, wenn unter einem „geistlichen Dienst“ die Predigt oder Gottesdienstleitung oder so etwas verstanden wird, und dann der Kaffeedienst oder die Gartenarbeit oder Technik oder, oder, oder nur unter „praktische Tätigkeiten“ abgebucht wird. Nein, in der Gemeinde Jesu hängt alles mit allem zusammen. Alles ist geistlich!

Und als zweites würden wir übersehen, dass es für Paulus ein Herzensanliegen war, diese Geldsammlung für die Gemeinde in Jerusalem durchzuführen. Das läuft für ihn nicht unter „was jetzt auch noch gesagt werden müsste“. Sondern es ist ihm so wichtig, dass er zum Beispiel im 2. Korintherbrief noch ganz ausführlich darauf eingeht. Siehe dort Kapitel 8. Es gibt gar keinen Zweifel, dass der Umgang mit dem Geld ganz viel mit dem Glauben zu tun hat. Deswegen schauen wir noch einmal genauer hin.

 

In diesen Tagen wird uns – etwas erschreckend – vor Augen geführt, wie sehr die Welt untereinander vernetzt ist. Das betrifft nicht nur schädliche Viren, sondern auch die Wirtschaft und die Finanzströme. Auch da hängt alles mit allem zusammen. Und wir möchten mal wieder nicht mit den Politikern tauschen, die Entscheidungen treffen müssen, die unmittelbare Folgen für das Wohl und Wehe von uns Bürgern haben. Umso dankbarer können wir sein, dass wir in unserem Land mit recht vernünftigen Verantwortungsträgern gesegnet sind. Und wir sollten weiterhin für sie beten, dass sie sich nicht irgendwelchem Druck beugen, sondern das Gesamtwohl im Auge behalten.

Wer sich mit der Welt zurzeit Jesu und der frühen Gemeinde beschäftigt, wird auch schnell merken, dass die Gesellschaft rund ums Mittelmeer ähnlich gut vernetzt war. Das Römische Reich war sicher kein Paradies auf Erden, aber seit Augustus hatten die Römer es durchaus geschafft, für verlässliche Rahmenbedingungen zu sorgen. Man konnte relativ sicher reisen, es gab ein funktionierendes Postwesen und sogar Finanztransaktionen waren möglich. Und es gab mit dem Griechischen auch so etwas wie eine gemeinsame Sprache – das Englisch der damaligen Zeit. Man sprach sogar von der Pax Romana, dem Römischen Frieden.

Es ist etwas anmaßend, Gottes Gedanken nachzudenken, aber es war ein sehr günstiger Zeitpunkt, in Jesus Christus auf diese Welt zu kommen und anschließend durch den Heiligen Geist die Gemeinde Jesu zu starten. Hundert Jahre früher oder später wären die politischen oder wirtschaftlichen Umstände wesentlich ungünstiger gewesen.

Paulus jedenfalls wusste diese Rahmenbedingungen zu nutzen. Er reiste in weiten Teilen des Römischen Reiches umher – meistens „per pedes apostolorum“ (auf den Füßen der Apostel), recht bewahrt und sicher. Und er nutze die Kommunikationsmöglichkeiten, indem er mit zum Teil sehr umfangreichen Briefen über hunderte von Kilometern mit den Gemeinden in Kontakt blieb. Und es war möglich, größere Geldbeträge nicht nur zu sammeln, sondern dann auch über weite Entfernungen zu übermitteln. Zwar noch nicht per Online-Banking, aber mit Geldboten (Vers 3). Und so etwas wie bargeldloser Zahlungsverkehr war auch schon lange erfunden.

 

Die Zeiten ähneln sich also ziemlich, und auch der angemessene Umgang mit dem Geld bleibt für die Gemeinde Jesu eine Herausforderung. Einerseits können wir sehr genau berechnen, wie viel Geld uns zur Verfügung steht. Wir machen einen Gemeindehaushalt, planen das Jahr, verwalten Einnahmen und Ausgaben und können in der Finanztabelle ablesen, was geht und was nicht. Das ähnelt durchaus der Vorgehensweise aller anderen Vereine oder Gesellschaften oder Firmen.

Dann gibt es aber in allen diesen trockenen Zahlen die Glaubenskomponente, wie schon oben angedeutet. Wir sind eben nicht nur ein Gebilde in dieser Zeit und Welt, sondern wir sind genauso Gemeinde Jesu oder der Leib Christi. Damit hat der Umgang mit Geld auch immer etwas mit dem Vertrauen in Jesus Christus zu tun. So sind wir gute Haushalter der Gnade Gottes (1. Petrus 4,10) und werden von daher auch angemessen mit den Finanzen umgehen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an unseren Kassierer, für den das mitunter eine große Herausforderung ist, die bloßen Zahlen und das Vertrauen in Christus beieinander zu halten!

Als Christen in Deutschland tun wir uns mitunter schwer, übers Geld zu reden. Es fehlt uns da etwas an den richtigen Vorbildern. Wir sehen auf der einen Seite vielleicht irgendwelche Fernsehprediger, wo man den Eindruck bekommt, es geht in Wirklichkeit nur um Profit und die persönliche Bereicherung. Und wir haben andererseits das deutsche Kirchensteuersystem, wo die Gelder automatisch erhoben und verteilt werden. Beides kein brauchbares Vorbild für uns als Freikirche.

Deswegen mal eine kurze, sachliche Information, wie das in unserer Gemeinde läuft. Wir können als Baptistengemeinde in München-Perlach ausschließlich das Geld ausgeben, das wir miteinander zusammenlegen. Wir haben also keine anderen Einnahmen. Alle Ausgaben verantworten wir selbst und müssen dafür die Gelder aufbringen: für das Gemeindeleben, für Haus und Hof, Gehälter, Missionsfamilien, usw. Deswegen findest du diesmal ganz unten unsere Bankverbindung, falls du konkret etwas dazu beitragen möchtest.

 

Als Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu leben wir immer in der Spannung, dass wir einerseits Bürger des Reiches Gottes sind, weil wir unser Leben im Vertrauen auf unseren Herrn Jesus Christus gestalten. Jesus fordert uns heraus (Matthäus 6,33): „Sorgt euch zuerst darum, dass ihr euch Gottes Herrschaft unterstellt, und tut, was er verlangt, dann wird er euch schon mit all dem anderen versorgen.“ Und dieses Vertrauen in Gottes Fürsorge muss dann jeden Tag inmitten dieser Zeit und Welt gelebt und ausprobiert und erfahren werden. Glaube bedeutet eben nicht, dass wir dieser Welt enthoben werden, sondern dass wir sie mit anderen Vorzeichen gestalten.

 

Ich möchte uns für diesen Tag ermutigen. Wir können beten, liebevoll miteinander umgehen und anderen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Und wir können uns auch heute herausfordern lassen, unseren Alltag im Vertrauen auf Jesus zu gestalten – vielleicht gerade auch in Finanzfragen.

 

Pastor Axel Schlüter

 

1. Korinther 16,1-12 (BasisBibel)

1    Nun noch ein Wort zur Spendensammlung für die Heiligen in Jerusalem: Macht es so, wie ich es auch für die Gemeinden in Galatien angeordnet habe:

2    Am ersten Tag jeder Woche soll jeder von euch etwas zurücklegen. Er soll so viel ansammeln, wie ihm möglich ist. Denn ihr sollt mit dem Spendensammeln nicht erst dann anfangen, wenn ich komme!

3    Wenn ich dann da bin, werde ich diejenigen losschicken, die ihr für geeignet haltet. Sie bekommen Briefe mit und sollen eure Gaben nach Jerusalem bringen.

4    Wenn es sich aber empfiehlt, dass ich selbst hinreise, sollen sie mit mir kommen.

5    Ich komme über Mazedonien zu euch. Dort werde ich allerdings nur durchreisen.

6    Dagegen möchte ich bei euch länger bleiben, wenn das möglich ist. Vielleicht verbringe ich sogar den Winter bei euch. Dann könnt ihr mich auch für die Weiterreise ausstatten, egal, wohin sie mich führt.

7    Ich will euch nämlich diesmal nicht nur kurz auf der Durchreise besuchen. Ich hoffe vielmehr, einige Zeit mit euch verbringen zu können, wenn der Herr es erlaubt.

8    Ich werde noch bis zum Pfingstfest in Ephesus bleiben.

9    Denn hier hat sich mir eine Tür aufgetan, die noch ein erfolgreiches Wirken verspricht. Doch es gibt viele Gegner.

10  Wenn aber Timotheus zu euch kommt, sorgt dafür, dass er keine Angst zu haben braucht, seinem Auftrag bei euch nachzukommen. Denn er arbeitet genauso für den Herrn wie ich auch.

11  Niemand soll ihn verachten! Lasst ihn in Frieden wieder von euch ziehen, damit er zu mir zurückkehren kann. Ich warte nämlich schon auf ihn und auf die Brüder und Schwestern, die dabei sind.

12  Was den Bruder Apollos angeht: Ich hatte ihn nachdrücklich gebeten, mit den Brüdern und Schwestern zu euch zu reisen. Das wollte er zum jetzigen Zeitpunkt auf keinen Fall tun. Er wird aber kommen, sobald er eine Gelegenheit findet.    

 

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