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Römer 6,22

Wir lesen heute im Lehrtext zu den Losungen Römer 6,22;
der Textzusammenhang Römer 6,20-23 findet sich wieder unten angehängt.

Befreit von der Sünde und in den Dienst Gottes gestellt,
habt ihr die Frucht, die Heiligung schafft, und als Ziel ewiges Leben.

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Wie geht es dir mit dem Wort „Heiligung“? Lässt es dich völlig unberührt oder löst es etwas aus? Ich will mal ein paar Vorschläge machen:

Vielen von uns sagt es vermutlich gar nichts oder nicht viel. Dieses Wort wird in unserer Gemeinde selten gebraucht, es hat keine „Konjunktur“.

Anderen aber sagt es eine ganze Menge – und da können die Reaktionen sehr unterschiedlich ausfallen. Manche bedauern es zutiefst, dass dieses Wort – und die damit verbundenen geistlichen Lehren – keinen Platz mehr in der Gemeinde haben. Da fehlt für sie etwas sehr Wichtiges. Es geht für sie um die Ernsthaftigkeit der Jesusnachfolge. Manche aber verbinden damit sehr viel Druck und Unwohlsein. Für sie steht Heiligung für viele Verbote, was man als Christ alles nicht tun darf, wenn man denn wirklich Christ sein will. Und es wird noch viele andere Reaktionen auf dieses Wort und die damit verbundenen Erfahrungen geben.

Das Wort Heiligung kommt auch schnell daher mit dem Begriff vom „geistlichen Wachstum“. Wenn jemand ernsthaft den Weg der Nachfolge Jesu geht, dann wirkt sich das ohne Frage in seiner Lebensgestaltung aus. Und das kann man dann auch von außen erkennen. Der neue Mensch in Christus muss sich doch im Laufe der Zeit immer deutlicher zeigen. Heiligung und geistliches Wachstum und Überprüfbarkeit durch andere sind oft eine unheilige Allianz eingegangen, die vielen das Leben in und mit der Gemeinde verleidet haben. Doch wie finden wir einen angemessenen Umgang – nicht nur mit dem Wort Heiligung, als viel mehr mit der damit verbundenen geistlichen Wahrheit?

 

Wenn wir den biblischen Befund sichten, dann stellen wir zunächst fest, dass dieses Wort Heiligung (heilig als Substantiv) im Neuen Testament gar nicht so oft vorkommt. In den üblichen deutschen Übersetzungen wird das griechische Wort in der Regel auch mit „Heiligkeit“ übersetzt. Das meint den Stand, in den Menschen in der Nachfolge Jesu aufgenommen werden. Wenn jemand zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist, wird er zum Heiligen und damit in die Heiligkeit versetzt. Dazu kann der Gläubige nichts beitragen; das ist die neue Lebenswirklichkeit als Geschenk Gottes.

Nun gibt es aber zwei wesentliche Bibelstellen, die einen anderen Klang haben und wo dieses Wort auch anders übersetzt wird: „Denn dies ist Gottes Wille: eure Heiligung.“ (1. Thessalonicher 4,3; in diesem Sinne auch 1. Petrus 1,14-16) / „Jagt dem Frieden mit allen nach und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn schauen wird.“ (Hebräer 12,14) Heiligung meint hier nicht so sehr den Stand der Heiligkeit als Geschenk Gottes, sondern das Bemühen, auch entsprechend zu leben. Wer ein Heiliger in Heiligkeit ist, der soll dann auch entsprechend in der Heiligung leben.

 

Klingt kompliziert? Es ist auch gar nicht so einfach. Auf der einen Seite wird jemand zum Heiligen allein durch die Gnade Gottes. Niemand kann sich selbst retten, das ist allein Gottes Tun. Gerade dafür ist Jesus ja am Kreuz gestorben und wurde vom Vater auferweckt, weil Gott sich darin in seiner Liebe uns Menschen zuwendet. Wenn wir irgendetwas dazu beitragen würden, wäre die Sünde, also dass wir etwas ohne Gott tun wollen, gerade nicht besiegt. Wir können nur auf das reagieren, was Gott schon längst in unserem Leben getan hat. Gläubig wird man nicht durch eigene Anstrengung, sondern im Hören des Evangeliums. So fasst Paulus es in Römer 10,17 zusammen: „Der Glaube kommt vom Hören auf die Botschaft.

Die Botschaft aber geht zurück auf den Auftrag von Christus.

So weit, so wunderbar. Doch ebenso klar ist doch, dass sich die Nachfolge Jesu auch in der Lebensgestaltung auswirken muss. Wenn wir Heilige werden durch Gottes Gnade, so wären wir aber doch sehr eigenartige Heilige, wenn sich das nicht in unserem Leben auswirken würde. Schließlich geht es nicht nur um eine Rettung für ein Leben nach dem Tod in der Gegenwart Gottes – so wichtig das ist. Sondern wir wollen doch gerne, dass sich Gottes Wille auch hier und heute durch unser Leben zeigt, für andere sichtbar und erfahrbar wird.

 

Wir werden also gerettet allein durch Gottes Gnade. Wenn es aber keine billige Gnade sein soll, muss sich das Leben in Gottes Gegenwart auch schon heute in unserer Lebensgestaltung auswirken – wie wir reden, was wir tun. Jesus spricht in sehr deutlichen Worten vom Preis der Nachfolge – siehe Markus 8,34-38: „Wer mir folgen will, darf nicht an seinem Leben hängen. Er muss sein Kreuz auf sich nehmen und mir auf meinem Weg folgen. Wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Wer aber sein Leben verliert, weil er an mich und die Gute Nachricht glaubt, wird es retten.“ Nachfolge Jesu kann also sehr teuer sein. Und dieser Herausforderung müssen wir uns als Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu stellen.

Trotzdem würde ich dazu nicht den Begriff der „Heiligung“ wiederbeleben. Er hat zu sehr den Charakter bekommen, als wenn es in der Nachfolge Jesu um ein anständiges, bürgerliches Leben gehen würde, um das man sich bemühen muss. Und mit dem man sich vor allem auch den Sittenwächtern gegenüber rechtfertigen muss. Das entspricht sicher nicht dem ursprünglichen Sinn im Neuen Testament, aber manche Begriffe haben durch die Geschichte einen verkehrten Klang bekommen, so dass sie besser nicht mehr genutzt werden sollten.

 

Die Nachfolge Jesu aber kann und wird also sehr teuer werden. Das ist ganz normal für eine Nachfolgerin, für einen Nachfolger Jesu. Aber es ist dennoch keine Leistung, die wir in irgendeiner Weise erbringen müssten, um unsere Rettung zu rechtfertigen. Sondern unser ganzes Leben gestalten wir in der Abhängigkeit von Gottes Geist, in seiner Kraft und unter seiner Leitung. Wir müssen Gott nicht mit unserem Leben beweisen, dass er sich uns zu Recht in Liebe zugewandt hat. Sondern wir dürfen unser Leben so führen, wie wir auch gläubig geworden sind: im Hören auf sein Reden, im Vertrauen auf seine Liebe, in Dankbarkeit und in der Abhängigkeit von seiner Gnade.

 

Ich möchte uns für diesen Tag ermutigen. Wir können beten, liebevoll miteinander umgehen und anderen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Und wir können uns auch heute herausfordern lassen zu einem Leben der Nachfolge Jesu.

 

Pastor Axel Schlüter

 

Römer 6,20-22 (Zürcher Bibel)

20     Denn als ihr Sklaven der Sünde wart, da hattet ihr mit der Gerechtigkeit nichts zu tun.

21     Nun, was habt ihr damals geerntet? Dinge, derer ihr euch jetzt schämt! Denn sie führten zum Tod.

22     Jetzt aber, befreit von der Sünde und in den Dienst Gottes gestellt, habt ihr die Frucht, die Heiligung schafft, und als Ziel ewiges Leben.

23     Denn der Sünde Sold ist Tod, die Gabe Gottes aber ist ewiges Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.

 

COPYRIGHT

BasisBibel. Neues Testament und Psalmen, © 2012 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart: www.basisbibel.de

 

Die Zürcher Bibel (Ausgabe 2007) verwenden wir mit freundlicher Genehmigung des Verlags der Zürcher Bibel beim Theologischen Verlag Zürich, bei dem auch das Copyright für diese Bibelübersetzung liegt.

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