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Jeremia 8,7

Wir lesen heute in den Losungen Jeremia 8,7;
der Textzusammenhang Jeremia 8,4-7 findet sich wieder unten angehängt.

       Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit,
Turteltaube, Schwalbe und Drossel halten die Zeit ein, 
in der sie wiederkommen sollen;
aber mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen.

Auch zum Anhören 

oder im Festnetz

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Wir staunen darüber, wie Zugvögel – Störche, Gänse oder Singvögel – jedes Jahr zielsicher ihren Weg finden. Leider wird ihnen das durch die Einflüsse des Menschen zunehmend erschwert, von lokaler Umweltzerstörung bis hin zum globalen Klimawandel. Manchmal fliegen sie um die halbe Erde. Die Biologen kommen dem Geheimnis hinter dem Vogelzug zwar immer mehr auf die Schliche, aber bis ins Letzte ist es nicht geklärt. Woher wissen die Vögel eigentlich, wann sie losziehen und welche Wege sie nehmen sollen?

Auch zur Zeit des Propheten Jeremia (um 600 v. Chr. in Jerusalem) konnten die Jahreszeiten danach abgelesen werden, wann welche Vögel auftauchen und wieder abfliegen. Darauf konnte man sich verlassen, sozusagen die Jahresuhr danach stellen. Und nicht nur das: Man wusste zwar nicht so genau, woher die Vögel nun kamen und wohin sie wieder verschwanden, aber es war klar, dass ihnen das gut tut. Es geht nicht nur um die richtige Zeit, sondern vor allem um ein gelingendes Vogelleben.

Und das Geheimnis darum war vielleicht sogar etwas kleiner als heute: Die Menschen sind damals ohnehin davon ausgegangen, dass dies alles durch Gottes Willen gesteuert wurde. „Naturgesetze“ im heutigen Sinne gab es noch nicht. Und damit wurden die Vögel in ihrem Gehorsam dem Willen Gottes gegenüber zum Vorbild: Sie hielten sich zeitgenau an Gottes Willen und es tat ihnen offensichtlich gut.

 

Nur die selbstbestimmten Menschen mit ihrem freien Willen wollen nicht erkennen, wie unsinnig es ist, sich nicht an Gottes Willen zu halten – hier das Recht des Herrn genannt. Wenn wir Menschen so klug wären wie die Zugvögel, dann würden wir unser Leben nach Gott ausrichten. Wir aber sind wie die Schlachtrösser, die sich – vom fremden Willen gelenkt – in die Schlacht stürzen, also sehenden Auges in den Untergang rennen (Vers 6). Wie dumm ist das denn?!

Diese Rede Gottes an Jeremia und über ihn an sein Volk hat eine grundlegende Voraussetzung, ohne die das ganze Bild nicht funktioniert. Es setzt voraus, dass Gottes Wille gut ist für seine Menschen und er dafür Sorge trägt, dass das Leben gelingt. Wir haben ja schon Probleme damit, uns vorzustellen, dass hinter allem, was ist, der liebevolle Schöpfergedanke Gottes steckt. Man kann sicher lange darüber diskutieren, wie im Einzelnen dieser Schöpfungswille Gottes konkret wurde. Es ist aber etwas grundlegend anderes, ob man sich nur einem Zufall verdankt, oder ob jeder von uns von Gott gewollt ist.

Gott hat uns also geschaffen, und das gilt erst einmal ganz allgemein für den Kosmos und die Entstehung der Menschheit. Es ist aber ein nächster Schritt im Glauben, das auch für sich ganz persönlich anzunehmen. Gott hat nicht nur „den Menschen“ an sich gewollt, sondern dich und mich ganz persönlich und individuell. Das gibt jedem einzelnen Menschen eine unersetzbare Würde und Achtung. Auch wenn deine Eltern oder Geschwister oder andere Bezugspersonen dir vielleicht gesagt oder signalisiert haben, du wärest nichts wert oder kannst nichts oder bist verkehrt – bei Gott war und ist das niemals so gewesen. Du bist einem liebevollen Gedanken und Schöpferhandeln Gottes entsprungen.

 

Und noch ein nächster Schritt schließt sich daran an: Gott hat uns nicht nur einzeln unverwechselbar einmalig würdevoll in Liebe geschaffen, er möchte auch, dass unser Leben gelingt. Er überlässt uns nicht uns selbst oder dieser mitunter feindlichen Welt. Sondern er begleitet uns, will mit uns im Gespräch sein, mit uns die Zukunft gestalten. Ich sage nicht, dass Gott einen fertigen Plan für unser Leben hat – und wehe, wir weichen auch nur einen Zentimeter davon ab. Sondern er möchte, dass wir im Hören auf ihn – Gehorsam hat ja mit Hören zu tun –, also im Gespräch mit ihm einen guten Weg finden.

Und der gute Weg Gottes muss nicht zuerst nach den Maßstäben dieser Welt etwas zu tun haben mit bester Gesundheit, Schönheit, Erfolg, Reichtum, Macht, Sexualität oder was sonst noch. Sondern es geht um die Gewissheit der Liebe Gottes und den Halt in seiner Gegenwart inmitten von allem, was das Leben nun einmal ausmacht. Und die unerschütterliche Hoffnung, die über diesen Tag hinausgeht.

 

Die Zugvögel sind Gott gehorsam, ohne darum zu wissen. Sie tun einfach, was in sie hineingelegt ist oder sie von ihren Eltern gelernt haben. Wir Menschen müssen uns zum Gehorsam entschließen. Und von Gott her soll es kein blinder Gehorsam sein, sondern ein Hören auf Gottes Willen im Gespräch, in der Beziehung zum Vater im Himmel. Und die großen Weltreisen fangen mit dem ersten Schritt an – oder mit dem ersten Flügelschlag, um im Bild zu bleiben. Was wäre heute ein konkreter Schritt, wie du auf Gottes Willen hören könntest und etwas anders tun, als du es sonst getan hättest? Eine Aufmerksamkeit, eine Achtsamkeit, ein Etwas-nicht-tun, ein Verzicht?

 

Ich möchte uns für diesen Tag ermutigen. Wir können beten, liebevoll miteinander umgehen und anderen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Und wir dürfen es ausprobieren, ob diese Voraussetzung der Rede Gottes durch Jeremia an sein Volk stimmt: Wer mit Gott im Gespräch ist, um seinen Willen nicht nur zu wissen, sondern auch konkret zu tun, dessen Leben wird gelingen.

 

Pastor Axel Schlüter

 

 

Jeremia 8,4-7 (Gute Nachricht Bibel)

Gottes Wort an den Propheten Jeremia:

4       »Sag zu ihnen: 'So spricht der HERR: Wenn jemand hinfällt, steht er dann nicht schnell wieder auf? Wenn jemand vom Weg abkommt, kehrt er nicht gleich wieder um?

5       Warum bleibt Jerusalem bei seinen falschen Göttern und weigert sich, zu mir zurückzukehren?

6       Ich habe genau gehört, was sie reden. Sie haben ihren Irrtum nicht erkannt. Niemand bereut seine Schlechtigkeit, niemand fragt sich: Was habe ich getan? Alle rennen auf ihrem Irrweg weiter wie Pferde, die sich in die Schlacht stürzen.

7       Alle Zugvögel kennen ihre Ordnung und gehen und kommen zu der Zeit, die ich ihnen bestimmt habe: der Storch, die Taube, die Schwalbe, die Drossel. Nur mein Volk hält sich nicht an die Ordnungen, die ich ihm gegeben habe.'«

 

 

Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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