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1. Petrus 4,8-11

Wir lesen heute in 1. Petrus 4,8-11 (BasisBibel):

8    Haltet vor allem mit Ausdauer an der Liebe zueinander fest! 
Denn die Liebe macht viel Schuld wieder gut.

9    Seid gastfreundlich untereinander, ohne euch zu beklagen.

10  Dient einander – jeder mit der Gabe, die er erhalten hat. 
So erweist ihr euch als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes.

11  Wenn jemand in der Verkündigung tätig ist,
soll er Worte Gottes verkündigen. 
Wenn jemand für den Gemeindedienst zuständig ist,
soll das aus der Kraft heraus geschehen, die Gott gibt. 
So soll in allem, was ihr sagt und tut,
durch Jesus Christus Gott verherrlicht werden. 
Ihm gehört die Herrlichkeit und Macht für immer und ewig. Amen.

Auch zum Anhören 

oder im Festnetz

unter 089 45461404.


Damals, als wir noch einfach so in den Bergen herumwandern konnten – die Älteren unter uns werden sich erinnern ;) –, da kam es auf eine gute Planung an. Je nachdem, wie lang die Tour sein und wie viele Höhenmeter überwunden werden sollten, mussten wir genug zu trinken und zu essen einpacken. Und dann kann es passieren, dass gegen alle Planung ein Weg versperrt oder eine Hütte verschlossen ist. Und plötzlich müssen wir einen Umweg gehen und doch noch länger mit den Vorräten auskommen. Sicher war das meistens nicht dramatisch, aber manchmal waren wir dann doch froh, endlich irgendwo die Trinkflasche auffüllen zu können.

Der Wander-Profi wird vielleicht einwenden, dass eine richtig gute Planung auch das Unvorhergesehene berücksichtigt. Das mag schon für einen Wanderausflug gelten, aber jetzt geht es mir um das Bild: Die aktuelle Corona-Krise lehrt uns ganz unvermutet und überraschend, dass sogar in unserem total durchorganisierten Land, wo es mitunter auf sekundengenaue Planung ankommt, niemand genau sagen kann, wie es weitergeht. Alle 14 Tage sollen die aktuellen Bestimmungen auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Es kann dann so sein, es kann aber auch anders werden. „Auf Sicht fahren“ nennt man das wohl. Und das sind wir nicht mehr gewohnt, das macht uns nervös.

Besonders Alleinerziehende oder Familien leiden unter diesem Zustand. Man hatte sich auf ein paar Wochen eingestellt – nach den Osterferien wird alles wieder normal –, und jetzt soll es erst einmal auf unbestimmte Zeit so weitergehen? Auch für Arbeitnehmer, die kein Homeoffice nutzen können, hält die Ungewissheit an. Ganz zu schweigen von Selbständigen. Und immer bleibt für alle die unsichtbare Bedrohung, selbst von dieser Krankheit erwischt zu werden. Niemand kann einem sagen, wie gut man sie aushalten kann.

Wenn ein konkretes Ende nicht abzusehen ist, ist Ausdauer gefragt. Und je mehr es um das eigene Überleben geht, umso schwieriger wird das Miteinander. Vor einigen Jahren habe ich den Thriller BLACKOUT - Morgen ist es zu spät von Marc Elsberg gelesen. Er beschreibt – wissenschaftlich recht gut recherchiert – was passieren könnte, wenn durch einen Hackerangriff in Europa alle Stromnetze zusammenbrechen. Besonders interessant: aus anfänglicher Solidarität unter den Menschen wird ein rücksichtsloses Hauen und Stechen, wenn es um das eigene Überleben oder das der Familie geht.

 

Wie erleben wir als Gemeinde diese Verlängerung der Auszeit? Sind wir in der Lage, dem Wort von Jesus nachzukommen, die zweite Meile mitzugehen? Jesus sagte in Matthäus 5,41: „Wenn dich jemand dazu zwingt, seine Sachen eine Meile zu tragen, dann geh zwei Meilen mit ihm!“ (der ganze Abschnitt siehe unten) Auf die erste Meile hatten wir uns eingestellt. Jetzt aber wird uns die zweite aufgezwungen; und vielleicht gibt es auch noch eine dritte. Wie geht es uns damit?

 

In unserem Bibelwort aus dem ersten Petrusbrief werden wir zuerst aufgefordert (V.8): „Haltet vor allem mit Ausdauer an der Liebe zueinander fest!“ Ausdauer und Liebe gehören zusammen. Wer liebt, der stellt sich nicht nur auf einen kurzen Zwischensprint ein, sondern der gleicht eher einem Dauerläufer. In den letzten Wochen haben wir manches ganz neu ausprobiert – das Meiste hat mit digitalen Medien zu tun. Oder wir haben gute alte Gesprächswege wiederentdeckt – das Telefon oder richtig echte Briefe schreiben. Und daraus ist schon viel Segen erwachsen. Diese Liebe kann sich jetzt in Ausdauer (oder Treue) auch auf der zweiten Meile zeigen.

 

Wir lesen in Vers 9: „Seid gastfreundlich untereinander, ohne euch zu beklagen.“ Das macht uns erst einmal ratlos, weil es ja gerade das ist, was im Moment nicht geht. Wie gerne würden wir jemanden einladen oder besuchen! Wobei: Ein Gespräch über den Gartenzaun (mit dem nötigen Abstand von zwei Metern!) ist doch immer drin. Oder vom Balkon aus, wenn es keinen Gartenzaun gibt. Gastfreundschaft bezieht sich ja erst einmal auf Leute, die man noch nicht so gut kennt. Vielleicht ist es eine gute Idee, mal jemanden anzurufen, den man nicht automatisch auf der Anruf-Liste hat?

 

Wir lesen in Vers 10: „Dient einander – jeder mit der Gabe, die er erhalten hat. So erweist ihr euch als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes.“ Wem es nicht so liegt, viel zu telefonieren, kann sicher auch andere praktische Wege finden, wie wir einander dienen können. Wir dienen einander innerhalb der Gemeinde und wir dienen natürlich auch darüber hinaus den Menschen in unserem Umfeld. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Gott hat jeden ganz unterschiedlich begabt; diese Gaben können wir auch unter veränderten Bedingungen fröhlich einbringen.

 

Letztlich geht es aber bei allem um das Lob Gottes in Jesus Christus (V.11): „So soll in allem, was ihr sagt und tut, durch Jesus Christus Gott verherrlicht werden. Ihm gehört die Herrlichkeit und Macht für immer und ewig.“ Wir dürfen uns zwar nicht zum Gottesdienst treffen, in dem wir Gott mit unseren Liedern und Gebeten loben und anbeten. Doch die Verherrlichung Gottes geschieht ebenso in unserem Reden und Tun aus Liebe.

 

Ich möchte uns für diesen Tag ermutigen. Wir können beten, liebevoll miteinander umgehen und anderen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Wir müssen nun die zweite Meile gehen. Das haben wir uns nicht ausgesucht. Aber wir dürfen im Vertrauen auf Jesus das Beste daraus machen: Alles soll „aus der Kraft heraus geschehen, die Gott gibt.“ (V.11)

 

Pastor Axel Schlüter

 

Matthäus 5,38-42 (BasisBibel)

Jesus sagte:

38     »Ihr wisst, dass gesagt worden ist: ›Auge um Auge und Zahn um Zahn!‹

39     Ich sage euch aber: Wehrt euch nicht gegen Menschen, die euch etwas Böses antun! Sondern: Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dann halte ihm auch deine andere Backe hin!

40     Und wenn dich jemand verklagen will, um deine Kleider als Pfand zu bekommen, dann gib ihm auch noch den Mantel dazu!

41     Und wenn dich jemand dazu zwingt, seine Sachen eine Meile zu tragen, dann geh zwei Meilen mit ihm!

42     Wenn dich jemand um etwas bittet, dann gib es ihm! Und wenn jemand etwas von dir leihen will, sag nicht ›Nein‹.«

 

BasisBibel. Neues Testament und Psalmen, © 2012 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart: www.basisbibel.de

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