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1. Korinther 15,12-14

In der ökumenischen Bibellese lesen wir den Abschnitt 1. Korinther 15,12-19; den ganzen Text findest du wieder unten angehängt:

12    Nun lautet die Verkündigung:
»Christus wurde vom Tod auferweckt!« 
Wie können dann einige von euch sagen,
»Es gibt keine Auferstehung der Toten«?

13  Wenn es nämlich keine Auferstehung der Toten gibt, dann wurde auch Christus nicht auferweckt.

14  Wenn aber Christus nicht auferweckt wurde,
dann hat unsere Verkündigung keinen Sinn.
Auch euer Glaube ist dann sinnlos.

Auch zum Anhören 

oder im Festnetz unter 089 45461404.


Wahrscheinlich kennst du das auch: Da unterhältst du dich mit jemandem über ein Thema, das dem anderen zunehmend unangenehm wird. Und plötzlich seid ihr bei einem ganz anderen Thema – und erst im Rückblick merkst du, wo der andere mit einer geschickten Frage oder Aussage ausgewichen ist und das Thema gewechselt hat. Politiker beherrschen dieses Muster in Perfektion, wenn ihnen von Journalisten zu konkrete Fragen gestellt werden. Wobei sich die guten Fragesteller nicht aufs Glatteis führen lassen und dann noch einmal nachhaken.

Wenn du mit Zeugen Jehovas ins Gespräch kommst, dann bekommst du dieses Thema-wechsel-dich auch gut trainiert vorgeführt. Jedenfalls ist mir das schon so gegangen. Nun kenne ich mich in der Bibel etwas besser aus als der durchschnittliche Bundesbürger, den die Zeugen normalerweise herausklingeln. Und jedes Mal, wenn ich dachte, ich hätte sie argumentativ von der Bibel her gestellt, weichen sie auf ein neues Thema aus. Sehr geschickt, aber irgendwie auf Dauer fruchtlos.

 

Ein bisschen kommt es einem auch so vor, wenn man den heutigen Bibeltext liest – zumindest auf den ersten Blick. Paulus ist in den Versen vorher (V.1-11) bei der Auferweckung Jesu gestartet, dann ist er plötzlich bei der Auferstehung der Toten, dann wieder bei Jesus, dann bei der Verkündigung und schließlich landet er beim Glauben. „Wenn Christus nicht auferweckt wurde, dann ist euer Glaube sinnlos.“ Aber wer hat das denn eigentlich behauptet, dass Jesus nicht auferstanden ist? Die Korinther waren es jedenfalls nicht – wie gesagt, auf den ersten Blick.

Wir müssen also noch einen zweiten Blick wagen, etwas genauer hinsehen, wenn wir Paulus nicht in einen Sack stecken wollen mit irgendwelchen Wortverdrehern. Denn er argumentiert hier sehr konsequent – wenn man den eigentlichen Problempunkt gefunden hat. Diesen Problempunkt könnte man vielleicht so beschreiben: Gibt es eine leibliche Auferstehung oder nicht? Und das betrifft sowohl Jesus als auch die Toten. Anders gefragt: Wurde Jesus nur als Geist oder als Seele auferweckt? Und leben dann die Verstorbenen auch nur noch als Geister oder mit ihrer Seele weiter?

Da prallen Welten aufeinander. Korinth ist eine Hafenstadt in Griechenland unweit von Athen, und im griechischen Denken gibt es eine klare Einteilung des Menschen in Bereiche, die nicht sonderlich viel miteinander zu tun haben. Der Mensch hat vor allem einen Körper und eine Seele (Leib-Seele-Dualismus). Und es gibt eine ganz eindeutige Wertigkeit in diesen verschiedenen Bereichen des Menschseins: Es kommt eigentlich nur auf die Seele an. Diese Trennung geht zurück auf den großen Philosophen Platon (428-348 v. Chr. in Athen), der es so zusammengefasst hat: „Der Körper ist das Grab der Seele.“

Nun kann man aus dieser Philosophie unterschiedliche Konsequenzen ziehen. Wenn nur die Seele wichtig ist, kann es doch egal sein, was der Körper macht. Dies Verständnis steht im Hintergrund von 1. Korinther 6, wo Paulus den Korinther deutlich machen will, dass man(n) den Körper nicht einfach zur Prostituierten bringen kann. Als hätte diese körperliche Tätigkeit nichts mit der frommen Seele zu tun.

Ein anderes Verständnis hatte sich aber in der frühen Kirche eher durchgesetzt, wenn denn der Körper das Grab der Seele sein soll. Der Leib (vor allem alles, was mit Sexualität zu tun hat) ist sündig, muss von daher kontrolliert und unterdrückt werden. Stichwort Askese bis hin zu Kasteiung oder gar Selbstgeißelung. Aus diesem griechischen Denken resultiert die Leibfeindlichkeit großer Teile der Christenheit bis in unsere Tage.

Wenn aber Paulus vom Leib schreibt, dann meint er den natürlichen Menschen in dieser Zeit und Welt. Die griechische Vokabel wurde wörtlich im Deutschen mit „Fleisch“ übersetzt. So bis heute in manchen Bibelausgaben. Und da ist die Gedankenverbindung zur „Fleischeslust“ nicht weit. Und wenn wir schon bei Lust sind, kommt Wolllust in allen Schattierungen hinzu. Schlussendlich liegt es dann nahe, dass das sündige Fleisch irgendwie abgetötet werden muss.

 

Ist Jesus aber nun nur in seiner Seele auferstanden? Wurde er von Gott in der Auferweckung sozusagen aus seinem Körper befreit? Und jetzt ist er in seiner Seele gegenwärtig? Und so würden mit ihm die Gläubigen, wenn sie sterben, ebenfalls als befreite Seelen unterwegs sein. Du kennst bestimmt irgendwelche Bildchen, wo die Seele den toten Körper verlässt und sich zum Himmel aufmacht – in der Regel durch kleine Flügelchen angetrieben.

Gegen dieses Verständnis nun argumentiert Paulus an: Entweder ist Jesus leiblich auferstanden – und damit gibt es auch eine leibliche Auferstehung der Verstorbenen – oder gar nicht. Jesus war nach seiner Auferweckung also nicht nur eine Geisterscheinung oder ein Seelenwanderer, sondern er hatte den neuen geistlichen Auferstehungsleib bekommen. Warum nun sollte es so wichtig sein, warum hängt für Paulus sogar der ganze Glaube daran, dass Jesus Christus ganzheitlich – mit Leib, Seele, Geist und allem anderen – auferweckt wurde?

Weil es dabei um die Ganzheitlichkeit von uns Menschen und um den Sieg Jesu über den Tod geht. Gott meint uns immer als ganzen Menschen; und das endet auch nicht mit dem Tod. Wenn Jesus am Kreuz die Sünde und den Tod besiegt hat, dann gilt das auch umfassend für das Leben nach dem Tod. Es betrifft nicht nur den Geist oder die Seele, sondern auch den Körper. Nach Jesu Wiederkunft und der Auferstehung der Toten ist die neue Welt in Gottes Gegenwart keine Geisterwelt, sondern eine neue Schöpfung mit allem Drum und Dran.

 

Was kann das für dich und mich heute bedeuten? Zuerst sind wir aufgerufen, auch unseren Körper im Zusammenklang mit Geist, Seele, Herz, Wille, Gefühl usw. wahrzunehmen. Wir wurden von Gott als eine Ganzheit geschaffen. Und Gott spricht uns als Einheit an, nicht nur einen „geistlichen“ Teil von uns. Körperpflege oder Gesundheitsvorsorge als Gottesdienst.

Und daraus ergibt sich auch eine neue Perspektive auf das Leben nach dem Tod: Wenn Jesus wiederkommt, werden wir in dieser Ganzheit auferweckt, um mit ihm in einer neuen Welt zu leben. Das hilft uns, diese Zeit und Welt als Schöpfung Gottes wahrzunehmen, das befreit uns aber auch, uns auf die neue Schöpfung Gottes zu freuen.

In unserem Liederbuch Feiern & Loben findet sich unter der Nummer 453 ein alter „Schlager“, der heute eher selten gesungen wird: Wenn nach der Erde Leid, Arbeit und Pein (Das wird allein Herrlichkeit sein). (Den Text siehe unten.) Es ist erstaunlich, in welch sinnlicher Weise beschrieben wird, wie es in der neuen Welt Gottes sein könnte. Die Sprache kommt uns heute zu Recht etwas überholt vor, aber vielleicht müssten wir einen anderen Ausdruck dieser Zuversicht des Glaubens finden.

 

Ich möchte uns für diesen Tag ermutigen. Wir können beten, liebevoll miteinander umgehen und anderen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Wir können uns und andere in unserer Ganzheitlichkeit mit Körper, Seele, Geist, Herz, Wille, Gefühl wahrnehmen und mit allem Gott dienen und seinen Segen erwarten.

 

Pastor Axel Schlüter

 

1. Korinther 15,12-19 (BasisBibel)

12     Nun lautet die Verkündigung: »Christus wurde vom Tod auferweckt!« Wie können dann einige von euch sagen, »Es gibt keine Auferstehung der Toten«?

13     Wenn es nämlich keine Auferstehung der Toten gibt, dann wurde auch Christus nicht auferweckt.

14     Wenn aber Christus nicht auferweckt wurde, dann hat unsere Verkündigung keinen Sinn. Auch euer Glaube ist dann sinnlos.

15     Dann wäre es ja falsch, was wir über Gott bezeugen. Denn im Gegensatz zu dem, was er getan hätte, würden wir bezeugen: Er hat Christus auferweckt. Aber er hätte ihn eben nicht auferweckt, wenn es gar keine Auferstehung der Toten gibt.

16     Denn wenn es richtig ist, dass Tote überhaupt nicht auferweckt werden, dann wurde auch Christus nicht auferweckt.

17     Wenn aber Christus nicht auferweckt wurde, dann ist euer Glaube vergeblich. Dann seid ihr auch immer noch mit Schuld beladen.

18     Dann sind also auch die verloren, die im Vertrauen auf Christus gestorben sind.

19     Wenn wir nur für das jetzige Leben auf Christus hoffen, sind wir bedauernswerter als alle anderen Menschen.

 

BasisBibel. Neues Testament und Psalmen, © 2012 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart: www.basisbibel.de

 

Wenn nach der Erde Leid, Arbeit und Pein (Das wird allein Herrlichkeit sein)

1)         Wenn nach der Erde Leid, Arbeit und Pein
ich in die goldenen Gassen zieh ein,
wird nur das Schaun meines Heilands allein
Grund meiner Freude und Anbetung sein.

Refr.   Das wird allein Herrlichkeit sein,
das wird allein Herrlichkeit sein,
wenn frei von Weh ich sein Angesicht seh!
Wenn frei von Weh ich sein Angesicht seh!

2)         Wenn dann die Gnade, mit der ich geliebt,
dort eine Wohnung im Himmel mir gibt,
wird doch nur Jesus und Jesus allein
Grund meiner Freude und Anbetung sein.

3)         Dort vor dem Throne im himmlischen Land
treff ich die Freunde, die hier ich gekannt;
dennoch wird Jesus und Jesus allein
Grund meiner Freude und Anbetung sein.

 

Text und Melodie: Charles Hutchinson Gabriel 1900/1903

 

Text deutsch: Hedwig von Redern 1905

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