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1. Korinther 15,3-6

In der ökumenischen Bibellese lesen wir den Abschnitt 1. Korinther 15,1-11; den ganzen Text findest du wieder unten angehängt:

3    Was ich (Paulus) euch weitergegeben habe, habe ich selbst als Überlieferung empfangen. Grundlegend ist: Dass Christus für unsere Schuld gestorben ist – wie es in den Heiligen Schriften steht.

4    Dass er begraben wurde und dass er am dritten Tag auferweckt wurde – wie es in den Heiligen Schriften steht.

5    Und dass er sich Kephas gezeigt hat, danach auch den Zwölf.

6    Später sahen ihn über fünfhundert Brüder gleichzeitig. Die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind allerdings auch schon gestorben.

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oder im Festnetz unter 089 45461404.


 

„Der Herr ist auferstanden!“ – So sagen Christen nicht nur aus Tradition am Ostersonntag, sondern darin liegt auch die alles entscheidende Botschaft. Und diese Botschaft soll geglaubt werden und ist zugleich so unglaublich. Nicht nur heute wird sie hinterfragt, das begleitet die Christenheit von Anfang an. Schon in Matthäus 28,11-15 wird davon berichtet, dass es Gerüchte gab, die Jünger hätten den Leichnam Jesu gestohlen. Und in unserem Kapitel 1. Korinther 15 geht Paulus der Frage nach: Was würde es bedeuten, wenn Christus nicht auferweckt wurde? Und die Antwort ist ganz einfach: Dann wäre unser Glaube sinnlos (V.14).

Nun meinen wir neuzeitlich aufgeklärten Menschen mitunter, dass man sich damals zu Paulus Zeiten mit so etwas wie einer Totenauferweckung leichter getan hätte als wir heutzutage. Man wäre wundergläubiger gewesen und hätte eben keine Ahnung gehabt, was naturwissenschaftlich möglich ist und was nicht. Das stimmt zwar in einem gewissen Sinn, aber dennoch war eine Totenauferstehung von jemandem, der am Kreuz hingerichtet wurde, jenseits von allem, was man erwarten konnte. Kein halbwegs normal denkender Mensch hätte mit so etwas gerechnet. Da war man nicht weniger kritisch als wir.

 

Einerseits ist diese Grundaussage, dass Jesus Christus am dritten Tag auferweckt wurde (V.4) eine Sache des Glaubens. Das verschließt sich dem menschlichen Verstehen. Und natürlich kann man das auch nicht naturwissenschaftlich beweisen. In der Naturwissenschaft muss man etwas beobachten können, dann wird daraus ein Modell gebildet, das wird überprüft (verifiziert/falsifiziert), und schließlich können Vorhersagen im Sinne einer Wiederholbarkeit gemacht werden. Es liegt auf der Hand, dass alles dies nicht für die Auferstehung Jesu zutreffen kann.

So aber kann man mit fast allen Ereignissen der Geschichte nicht umgehen. Deswegen arbeiten die historischen Wissenschaften nach etwas anderen Prinzipien. Sie müssen aufgrund der überlieferten Zeugnisse Rückschlüsse ziehen auf das, was damals passiert sein kann. Es geht also um Auswertung von archäologischen Funden und dann natürlich auch von schriftlichen Zeugnissen. Und diesen Weg können wir für die Auferstehung Jesu gehen.

 

Irgendwelche Gegenstände, die unmittelbar mit Jesus in Verbindung gebracht werden können, gibt es nicht. Alle Splitter vom Kreuz, Grabtücher oder Dornenkränze in den Schatzkammern der Kirchen dieser Welt lohnen sich zwar finanziell für die Besitzer, wir aber kommen damit dem historischen Jesus keinen Millimeter näher. Uns bleiben nur die schriftlichen Zeugnisse des Neuen Testaments und die Entwicklung der Gemeinde/Kirche Christi.

Grundsätzlich können wir zwei Dinge festhalten: Wer ernsthaft bestreiten will, dass Jesus gelebt hat und am Kreuz gestorben ist, muss erklären, warum er ausgerechnet den biblischen Texten so sehr misstraut. Das Leben Jesu ist wesentlich besser schriftlich belegt als das irgendeiner anderen Person oder als ein anderes Ereignis in der Antike. Das hat erst einmal nichts mit dem Glauben zu tun, das ist unbestreitbares Ergebnis historischer Forschung.

Und ein zweites muss erklärt werden: Auch vor oder nach Jesus gab es „Messiasse“ in Israel; aber nach deren Tod war Schluss mit ihrer Bewegung. Und die Kreuzigung war ohne Frage die totale Katastrophe für alle Anhänger Jesu. Ihr Messias ist nicht heldenhaft im Kampf gefallen, sondern er ist den furchtbaren und schmählichen Tod am Kreuz gestorben – für Juden von Gott verflucht, für Nichtjuden entehrt und würdelos. Wie aber kam es dazu, dass es ganz kurz nach diesem absoluten Ende so kraftvoll weiterging? Dass die Jünger sich eben nicht in alle Richtungen verstreut haben, sondern daraus die Gemeinde Jesu entstand, die Kirche, die Christenheit?

Auch das hat noch nichts mit einem Glauben zu tun: Es muss – rein historisch betrachtet – etwas geschehen sein, das dafür gesorgt hat. Und man darf das auch nicht gebildeten Theologen wie zum Beispiel Paulus in die Schuhe schieben, als wäre er auf die Idee gekommen, den Tod Jesu in dieser Weise umzudeuten. Nein, wie er ja in unserem Bibelabschnitt in Vers 3 schreibt, er selbst hat diese Inhalte überliefert bekommen, also von anderen vor ihm gehört.

 

Und gehen wir noch einen Schritt weiter. Stell dir vor, heute würden im Rahmen einer totalen Katastrophe auf einmal alle Medien über das aktuelle Geschehen gelöscht. Ob Filme, Bilder oder Texte – nichts ist mehr vorhanden. Wir Menschen wären allein auf unsere Erinnerungen und die Erzählungen darüber angewiesen. Und in etwa 25 Jahren bekommen wir Besuch von freundlichen Aliens aus dem All. Bevor sie sich aber auf die Erde begeben, wollen sie gerne wissen, ob es hier wohl gefährliche Viren gibt. Vermutlich könnten sie sich allein aus den Erzählungen/Erinnerungen von uns Menschen ein recht genaues Bild machen, was da wohl im Jahre 2020 mit dem Corona-Virus los gewesen ist. Und dankend fliegen sie weiter…

Genau so geht Paulus in seiner Argumentation in unserem Bibelabschnitt vor. Zuerst stellt er fest, dass Jesu Tod und Auferweckung gemäß der Heiligen Schriften geschehen ist. Dann sagt er aber nicht: Deswegen müsst ihr das jetzt glauben. Sondern er benennt etliche Zeugen dieser Vorgänge. Und weil damals die Aussagen von Frauen keinen Wert vor Gericht hatten, fehlen hier auch die ersten Zeuginnen vom leeren Grab. Sondern es werden Männer genannt, die der interessierte Leser fast alle noch hätte befragen können.

Also: Paulus argumentiert hier juristisch wie in einem Gerichtsverfahren, in dem man sich auf Augenzeugenberichte verlassen muss. Hier liegen nicht nur Indizien vor, sondern hier können gestandene Männer nach ihren Begegnungen mit dem Auferstandenen befragt werden. Das nun ist auch für uns heute – ganz historisch beobachtet – ein starkes Argument dafür, dass damals nach Jesu Tod etwas geschehen sein muss – etwas das diejenigen, die dabei waren, als Auferweckung, als Begegnung mit dem Auferstandenen interpretiert haben.

 

Nun ändert all dies aber nichts daran, dass die Auferstehung Jesu eine Frage des Glaubens bleibt. Der Glaube entsteht nicht durch eine historische Argumentation, sondern in der Begegnung mit dem Auferstandenen. Das war damals so und das ist bis heute so geblieben. Ich kann nur einladen, sich darauf einzulassen. Ich glaube, dass Jesus auferweckt wurde und heute lebt. Und ich bin fest davon überzeugt, dass er dir und mir begegnen will, sich mitteilen, sich offenbaren. Unser Anteil besteht darin, dass wir es wagen, mit ihm zu rechnen, uns auf ihn einzulassen. Wir können Glauben nicht machen, wir können uns aber im Vertrauen Jesus Christus als dem Auferstandenen zuwenden.

 

Ich möchte uns für diesen Tag ermutigen. Wir können beten, liebevoll miteinander umgehen und anderen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Ich wünsche dir diese lebensverändernde Erfahrung, dass Jesus dir begegnet. Und das geschieht nicht nur einmal, sondern immer wieder neu.

 

Pastor Axel Schlüter

 

1. Korinther 15,1-11 (BasisBibel)

1       Brüder und Schwestern, ich will euch auf die Gute Nachricht hinweisen, die ich euch verkündet habe. Ihr habt sie ja angenommen und sie ist euer fester Grund.

2       Durch sie werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe. Wenn nicht, wärt ihr vergeblich zum Glauben gekommen.

3       Was ich euch weitergegeben habe, habe ich selbst als Überlieferung empfangen. Grundlegend ist: Dass Christus für unsere Schuld gestorben ist – wie es in den Heiligen Schriften steht.

4       Dass er begraben wurde und dass er am dritten Tag auferweckt wurde – wie es in den Heiligen Schriften steht.

5       Und dass er sich Kephas gezeigt hat, danach auch den Zwölf.

6       Später sahen ihn über fünfhundert Brüder und Schwestern gleichzeitig. Die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind allerdings auch schon gestorben.

7       Danach hat er sich Jakobus gezeigt, schließlich allen Aposteln.

8       Ganz zuletzt ist er auch mir erschienen – also gleichsam einem Missratenen.

9       Ich bin nämlich der unwürdigste unter den Aposteln. Ich verdiene es eigentlich nicht, Apostel genannt zu werden. Denn ich habe die Gemeinde Gottes verfolgt.

10     Aber durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin. Und seine Gnade, die er mir erwiesen hat, blieb nicht ohne Wirkung. Im Gegenteil: Ich habe mehr für die Gute Nachricht gearbeitet als sie alle. Aber das habe ich nicht mir selbst zuzuschreiben, sondern der Gnade Gottes, die mich begleitet.

11     Aber gleichgültig, ob ich es sage oder die anderen Apostel: Das ist unsere Verkündigung und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt.  

 

 

BasisBibel. Neues Testament und Psalmen, © 2012 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart: www.basisbibel.de

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