· 

Markus 16,15-18

In der ökumenischen Bibellese lesen wir den Abschnitt Markus 16,9-20; den ganzen Text findest du wieder unten angehängt:

15  Und Jesus sagte zu den elf Jüngern: »Geht in die ganze Welt hinaus. Verkündet allen Menschen die Gute Nachricht.

16  Wer glaubt und sich taufen lässt, den wird Gott retten. Wer nicht glaubt, den wird Gott verurteilen.

Auch zum Anhören 

oder im Festnetz unter 089 45461404.


Vielleicht hast du oder ihr in diesen Tagen alte Fotoalben hervorgekramt oder den Diaprojektor angeworfen oder Fotos auf dem Computer herausgesucht. Warum schauen wir so gerne alte Fotos an? Es geht nicht nur darum, in schönen Erinnerungen zu schwelgen. Denn meistens werden ja eher die schönen Dinge des Lebens fotografiert. Sondern wir können auch eine Entwicklung beobachten. Wenn denn die Fotos halbwegs gut zeitlich sortiert sind. An sich selbst oder an den Kindern können wir ablesen, dass die Zeit nicht stehen geblieben ist. Da kommen lustige Erinnerungen hoch, als die Kinder klein waren. Oder wehmütige an Menschen, die schon lange nicht mehr unter uns weilen. Oder peinliche, wenn man sieht, mit welcher Frisur oder Kleidung man sich an die Öffentlichkeit gewagt hatte.

Manche Menschen führen über Jahrzehnte Tagebuch, wo sie ihre Gedanken und Erlebnisse aufschreiben. Auch daraus wird mit der Zeit ein Erinnerungs- und Entwicklungsbuch. Man kann schwarz auf weiß nachlesen, was man früher gedacht hat. Und ist mitunter froh, dass man sich weiterentwickelt hat.

 

Für die Wissenschaftler, die sich mit der Entstehung der Bibel beschäftigen, sind die vielen tausend Handschriftenfunde so ein Bilderbuch der Entwicklung. Die Bibel ist ja nicht fertig vom Himmel gefallen, sondern sie ist über mindestens tausend Jahre entstanden. Nicht nur, dass die Texte aufgeschrieben wurden, sie mussten auch abgeschrieben, zusammengestellt, gesammelt und weitergegeben werden. Und im Laufe der Zeit ist daraus das geworden, was wir heute in den Händen halten – als Buch oder digital im Handy oder Computer. (Für Interessierte siehe die Anmerkung unten.)

Und so steht heute unbestreitbar fest, dass das Markusevangelium ursprünglich mit dem Vers 8 endete – darüber ging es gestern in der Bibelauslegung. Die Verse 9 bis 20 sind wahrscheinlich im 2. Jahrhundert (also irgendwann nach 100 nach Christus) entstanden. Erst im 4. bis 5. Jahrhundert wurden sie zum festen Bestandteil der Bibeln. Ob die Autoren dieses Abschnittes auf Augenzeugenberichte zurückgreifen konnten, ist umstritten. Ob also die Verse 15 bis 18 – die direkte Rede Jesu – auf Texte zurückgehen, die unabhängig von den anderen Schriften des Neues Testamentes weitergegeben wurden. Auf jeden Fall ist auch dieser Abschnitt wertvolles Wort Gottes an uns, so dass wir darin Gottes Reden für heute wahrnehmen können.

 

Besonders die Verse 15-18 – das Sendungswort Jesu an seine Jünger – spiegeln, was der Gemeinde im 2. Jahrhundert wichtig war. Was fällt uns auf?

Die Gemeinde verkündigt die Gute Nachricht, also das Evangelium von Jesus Christus. Wer wissen will, was diese Verkündigung beinhaltet, sollte das Markusevangelium lesen. Und diese Freudenbotschaft sollen alle Menschen, die ganze Welt hören. Genaugenommen soll die Nachricht zu den Empfängern gebracht werden. Hier findet sich die „Geh-Struktur“ (Gehet hin!) der Gemeinde Jesu; es ist keine „Komm-Struktur“ (Besuche unsere Veranstaltungen!).

Daran schließt sich die Zusage, dass die Annahme der Guten Nachricht rettet. Wer glaubt wird gerettet. Wer sich Jesus Christus anvertraut, wird aus der Gottestrennung herausgerettet. Interessant nun wird die Zuordnung zur Taufe. Die Taufe gehört selbstverständlich zur Rettung hinzu, ist selbst aber nicht Bedingung für die Rettung. Sie fehlt ja bei der Gegenaussage „Wer aber nicht glaubt, den wird Gott verurteilen.“ Allein der Glaube rettet, nicht die Taufe.

Und damit wird es an dieser Stelle doch sehr baptistisch: Wir Baptisten sehen in der Reihenfolge zuerst gläubig werden und dann getauft werden keinen Zufall, sondern eine grundlegende Aussage: Wie auch beim Abendmahl ist die Voraussetzung zur Taufe, dass jemand gläubig ist. Das bedeutet: Wir können nur jemanden taufen, der von Herzen bekennen kann: Jesus Christus ist der Herr meines Lebens! Das unterscheidet uns von anderen Kirchen, die meinen, diese Reihenfolge auch umkehren zu können: Jemand wird – in der Regel als Kind – getauft und später tritt der persönliche Glaube hinzu – hoffentlich.

Unsere Überzeugung, die wir so aus der Bibel gewonnen haben, wird problematisch, wenn sie mit etwas Äußerlichem wie einer Gemeindemitgliedschaft vermischt wird. Da gab es in der Vergangenheit manche Fehlentwicklung, aus der wir aber sicher lernen können, wie man es besser machen kann. Wenn sich Menschen nur taufen lassen, um Gemeindemitglieder werden zu können, dann wertet das die biblisch verstandene Taufe ab. Es ist – wieder einmal – gar nicht so einfach, die geistliche Wirklichkeit von Gemeinde mit der gelebten und auch geordneten Wirklichkeit in dieser Zeit und Welt unter einen Hut zu bringen!

 

Doch zurück zu dem Sendungswort Jesu: Nach der Guten Nachricht, nach Glaube und Taufe sagt er noch etwas zu den begleitenden Zeichen. Es geht um Sprachenrede, Dämonenaustreibung, Bewahrung vor tödlichen Gefahren und um Krankenheilung. Ich will jetzt nichts zu den einzelnen Punkten sagen, wichtig ist vor allem eines: Wir glauben an Gott, den Herrn über alles. Und dieser Glaube soll nicht nur ein Gedankenexperiment oder ein Seelengefühl sein, sondern wir vertrauen uns damit dem Herrn an, der Leben verändern kann.

Wir beten z. B. für kranke Menschen, weil wir glauben, dass Gott eingreifen und heilen kann. Wie er das genau machen wird, überlassen wir gerne ihm und seiner Fürsorge. Aber wir gehen davon aus, dass Gott auch in dieser Zeit und Welt handelt. Er erweist sich als der Herr über alles. Deswegen beten wir auch heute um Bewahrung der vielen Menschen in den armen und ärmsten Regionen dieser Erde, dass sie von der Pandemie verschont bleiben. Wir werden nie erfahren, wer alles verschont geblieben oder genesen ist durch Gottes Eingreifen. Aber wir glauben, dass Gott handelt.

 

Dieses Sendungswort Jesu richtet sich besonders an seine Gemeinde. So wird auch in Vers 20 stellvertretend gesagt, wie es umgesetzt wurde und bis heute umgesetzt wird: Sie „zogen los und verkündeten überall die Gute Nachricht. Der Herr war mit ihnen am Werk und bestätigte ihre Worte durch viele wunderbare Zeichen.“

 

Ich möchte uns für diesen Tag ermutigen. Wir können beten, liebevoll miteinander umgehen und anderen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Wir folgen einem Herrn nach, der uns in diesen Tag sendet, dass wir glauben und hoffen, dass wir beten und handeln. Im Vertrauen auf ihn und in seinem Namen. Weil Jesus auferweckt wurde und heute lebt!

 

Pastor Axel Schlüter

 

Markus 16,9-20 (BasisBibel)

9       Früh am ersten Wochentag war Jesus vom Tod auferstanden. Zuerst zeigte er sich Maria aus Magdala, die er von sieben Dämonen befreit hatte.

10     Sie machte sich auf den Weg und erzählte es seinen Freunden, die mit ihm zusammen gewesen waren und jetzt trauerten und weinten.

11     Sie konnten nicht glauben, was sie von Maria hörten: »Jesus lebt! Ich habe ihn gesehen.«

12     Danach zeigte sich Jesus in einer fremden Gestalt zwei von ihnen, als sie auf dem Land unterwegs waren.

13     Da kehrten sie um und erzählten es auch den anderen. Aber auch ihnen glaubten sie nicht.

14     Schließlich zeigte Jesus sich den elf Jüngern, als sie gerade zum Essen am Tisch lagen. Er warf ihnen vor, dass sie nicht geglaubt hatten und uneinsichtig gewesen waren: Sie wollten denen nicht glauben, die ihn nach seiner Auferstehung gesehen hatten.

15     Und Jesus sagte zu den elf Jüngern: »Geht in die ganze Welt hinaus. Verkündet allen Menschen die Gute Nachricht.

16     Wer glaubt und sich taufen lässt, den wird Gott retten. Wer nicht glaubt, den wird Gott verurteilen.

17     An folgenden Zeichen sind die Menschen zu erkennen, die an mich glauben: Sie werden in meinem Namen Dämonen austreiben und in fremden Sprachen reden.

18     Wenn sie mit bloßen Händen Schlangen anfassen und tödliche Gifte trinken, wird ihnen nichts passieren. Kranken werden sie die Hände auflegen und sie werden gesund.«

19     Nachdem Jesus, der Herr, das zu den elf Jüngern gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen. Er setzte sich an die rechte Seite Gottes.

20     Und die elf Jünger zogen los und verkündeten überall die Gute Nachricht. Der Herr war mit ihnen am Werk und bestätigte ihre Worte durch viele wunderbare Zeichen.

 

BasisBibel. Neues Testament und Psalmen, © 2012 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart: www.basisbibel.de

 

Anmerkung zur Entwicklung der Bibel:

 

      Wir haben die originalen Bibeltexte nicht in nur einer fertigen Version überliefert bekommen, sondern in tausenden von Textteilen – angefangen von kleinen Schnipseln bis hin zu vollständigen Büchern. Und die Aufgabe der Wissenschaft besteht darin, diese Texte nicht nur zu sammeln und sie zu datieren und einzuordnen. Sondern an vielen Stellen muss man sich auch entscheiden, welche Version man für die wahrscheinlich originalere hält. Wer sich dafür interessiert, findet hier eine anschauliche Erklärung der Deutschen Bibelgesellschaft: Biblische Textforschung.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0