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Markus 16,1-8

Heute lesen wir in der ökumenischen Bibellese den Abschnitt Markus 16,1-8; den ganzen Text findest du wieder unten angehängt:

»Da flohen die Frauen aus dem Grab und liefen davon.
Sie zitterten vor Angst und sagten niemandem etwas, so sehr fürchteten sie sich.«

Auch zum Anhören 

oder im Festnetz unter 089 45461404.


Damit endet das Markusevangelium. … … … Damit endet das Markusevangelium?

Vielleicht sagst du: Moooment, in meiner Bibel geht es noch weiter, da gibt es noch die Verse 9 bis 20. Richtig, aber wenn du ins Kleingedruckte schaust – eine Anmerkung, eine Fußnote –, dann wird da irgendetwas zu lesen sein, dass diese Verse später hinzugefügt wurden. Zumindest, wenn du eine seriöse Bibelausgabe dein Eigen nennst.

Tatsächlich endet das Markusevangelium in den ältesten Handschriften, die bisher gefunden werden konnten, mit Vers 8. Und dann gibt es in jüngeren Handschriften die unterschiedlichsten Hinzufügungen, von denen sich die Verse 9-20 durchgesetzt haben. Deswegen spricht die Bibelwissenschaft vom „unechten Markusschluss“. Das soll aber keine Abwertung sein; auch diese Verse sind ein wichtiges Gotteswort.

Doch die Frage, die sich aufdrängt, lautet: Könnte es wirklich sein, dass Markus sein Evangelium mit diesem Satz enden lässt: sie fürchteten sich? Passt das denn zur Auferstehungsfreude; ist das denn echtes „Evangelium“, also eine gute Nachricht, eine Freudenbotschaft? Du kannst dir vorstellen, dass diese Frage unter den Bibelauslegern höchst unterschiedlich beantwortet wird.

Mir hilft bei solchen Fragen immer der Grundsatz: Wenn ich die Bibel als Wort Gottes ernst nehmen will, sollte ich mich erst einmal mit dem auseinandersetzen, was das steht – und nicht mit dem, was ich gerne hätte, das da stehen sollte. Hier also: Gibt es denn einen guten Grund, dass Markus sein Evangelium mit diesem Satz enden ließ?

Und den gibt es ohne Frage.

 

Wozu hat Markus denn sein Evangelium geschrieben? Er wollte nicht nur geschichtlich über Jesus informieren, also festhalten, was gewesen ist. Das natürlich auch. Die Evangelien sind aber nicht zuerst Biographien. Markus wollte auch nicht nur spannende Geschichten aufschreiben. Das natürlich auch. Er wusste durchaus, wie man spannend erzählt.

Sondern sein Ziel war es, zum Glauben an Jesus Christus zu rufen. Das ganze Evangelium macht deutlich: Es geht für dich als Hörer (und Leser) um die Frage: Wie stehst du eigentlich zu diesem Jesus, den ich dir hier vor Augen male und in die Ohren sage? Und weil alles, was wir im Neuen Testament lesen können, nach Ostern aufgeschrieben wurde, kann auch alles nur von Ostern her gelesen und verstanden werden. Das bedeutet für Markus: Der Jesus, von dem ich hier erzähle, der lebt heute. Und so, wie ich ihn hier beschreibe, so redet und handelt er auch heute – als der Auferstandene im Heiligen Geist.

 

Markus möchte also zum Glauben rufen. Wie aber kommt es zum Glauben an Jesus Christus? Wie aber kommt es heute zum Glauben an den Auferstandenen?

Es fällt auf: Nirgends – weder bei Markus noch in den anderen Evangelien noch in den Briefen – nirgends wird beschrieben, wie die Auferstehung erfolgt ist. Später wurden spannende Geschichten darüber erfunden. Im Neuen Testament lesen wir nur davon, dass das Grab leer ist. Selbst der „übernatürliche“ Engel wird bei Markus zum jungen Mann im weißen Gewand. Alles also sehr zurückhaltend, keine Sensation, keine Effekthascherei. Das Grab ist leer. Punkt.

Und das führt nicht(!) zum Glauben. Die Information darüber wurde damals und wird bis heute hinterfragt, bespöttelt, kritisiert – sie führt nicht zum Glauben. Auch nicht in der Bibel. Sogar als die Augenzeugen des leeren Grabes davon erzählen, kommen die anderen dadurch nicht zum Glauben.

Sondern: Das „und sie fürchteten sich“ wird erst in der unmittelbaren Begegnung mit dem Auferstandenen überwunden. Nicht umsonst sagt Jesus ganz oft als erstes: „Fürchte dich nicht!“ Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Informationen sind wichtig, ohne Frage. Glaube aber entsteht nicht durch Information – so biblisch korrekt sie auch sein mag. Sondern Glaube entsteht, wenn der Auferstandene einem Menschen begegnet, wenn er sein „Fürchte dich nicht, ich bin für dich da.“ jemanden zusagt.

 

Von daher kann ich mir gut vorstellen, dass Markus sein Evangelium mit diesem Vers 8 enden ließ. Weil sich sofort die Frage aufdrängt: Und jetzt? Was folgt daraus? Du hast uns doch nicht von diesem Jesus erzählt, damit wir in unserer Menschen-, Welt- oder Todesfurcht bleiben? Worin besteht die Lösung? Und die Antwort kann nur lauten: Weil Jesus Christus lebt, muss er sich dir zeigen, muss er dir sein „Fürchte dich nicht, glaube nur!“ zusagen. Das können wir Menschen nicht machen. Das kann nur der Auferstandene selbst.

 

Und so ist das ein echter österlicher Text, ein Wort für heute. Er weist uns mit seinem sehr gewagten offenen Ende auf den hin, der auferstanden ist. Er lädt uns ein, uns dem lebendigen Herrn Jesus Christus zuzuwenden. Wir können Glaube nicht machen. Wir können uns aber vertrauensvoll zu dem umwenden (umkehren), der uns mit weit geöffneten Armen erwartet. Jesus lebt – und deswegen schafft er den Glauben in uns in der unmittelbaren Begegnung mit ihm.

Jesus sagt dir und mir heute zu: „Fürchte dich nicht, ich bin für dich da, glaube nur!“

 

Ich möchte uns für diesen Tag ermutigen. Wir können beten, liebevoll miteinander umgehen und anderen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Und ich möchte dich sehr konkret einladen, aus der Beobachterrolle herauszutreten und dich Jesus zuzuwenden. Es geht nicht nur um Information, sondern um Vertrauen.

 

Pastor Axel Schlüter

 

Markus 16,1-8 (BasisBibel)

1       Als der Sabbat vorbei war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus, und Salome duftende Öle. Sie wollten die Totensalbung vornehmen.

2       Ganz früh am ersten Wochentag kamen sie zum Grab. Die Sonne ging gerade auf.

3       Unterwegs fragten sie sich: »Wer kann uns den Stein vom Grabeingang wegrollen?«

4       Doch als sie zum Grab aufblickten, sahen sie, dass der große, schwere Stein schon weggerollt war.

5       Sie gingen in die Grabkammer hinein. Dort sahen sie einen jungen Mann auf der rechten Seite sitzen, der ein weißes Gewand trug. Die Frauen erschraken sehr.

6       Aber er sagte zu ihnen: »Ihr braucht nicht zu erschrecken. Ihr sucht Jesus aus Nazaret, der gekreuzigt worden ist. Gott hat ihn vom Tod auferweckt, er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo sie ihn hingelegt hatten.

7       Macht euch auf! Sagt es seinen Jüngern und besonders Petrus: Jesus geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.«

8       Da flohen die Frauen aus dem Grab und liefen davon. Sie zitterten vor Angst und sagten niemandem etwas, so sehr fürchteten sie sich.

 

 

BasisBibel. Neues Testament und Psalmen, © 2012 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart: www.basisbibel.de

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