· 

Johannes 19,30

Heute möchte ich uns noch eines der Worte Jesu am Kreuz nennen, Johannes 19,30; den Textzusammenhang findest du wieder unten angehängt:

»Es ist vollbracht.«

 

„Es gibt immer was zu tun.“ – Dieser Werbespruch einer Baumarktkette bringt ein Lebensgefühl auf den Punkt: Überall springen uns Dinge an, die noch getan werden müssen. Und vielleicht hast du diese Tage auch dazu genutzt, manches zu erledigen, was schon lange liegen geblieben war. Den Keller aufräumen. Papiere durchsehen. Altkleider aussortieren. Oder jemanden anrufen, der/die schon lange auf der Liste steht. Endlich einen wichtigen Brief schreiben. Oder ein Spaziergang in Ruhe. Ein Gespräch führen. Es gibt immer was zu tun.

„Ich habe fertig.“ – Dieser Satz von Giovanni Trapattoni hat schnell Kultstatus erreicht. Doch war das nicht Ausdruck davon, dass er zufrieden auf seine Zeit beim FC Bayern München zurückschaut, sondern eher Ausdruck der Verzweiflung, dass er es gerade nicht geschafft hat, die Mannschaft zu motivieren. Es gab noch viel zu tun, aber letztlich nicht durch ihn.

Auch das trifft unser Lebensgefühl: Wir werden nie fertig. Ein weiser älterer Bruder hat mir das vor vielen Jahren mal so gesagt: Eine Erkenntnis seines – sehr gesegneten – Lebens sei, dass man nie zu Ende kommt. Dass immer etwas übrig bleibt, was man noch erledigen müsste. Und vor allem bleiben auch Charakterfehler oder ein Wesen, das in vielen Bereichen noch nicht dem Sein in Christus entspricht. Wir haben und sind nie fertig in dieser Welt.

 

Ganz anders Jesus. Er sagt zum Schluss: „Es ist vollbracht.“ Und das meint eben ganz und gar, was es aussagt. Da kommt etwas zum Abschluss, da ist nichts mehr nötig. Mission complete. Sie haben Ihr Ziel erreicht. Mehr kann er nicht tun. Er kann nur noch seinen Geist in die Hände des Vaters geben.

Paulus schreibt davon, wie dieses „Vollbracht“ gemeint sein kann, indem er feststellt, dass der Weg Jesu in dieser Welt, der Tod für uns am Kreuz und die Auferweckung schon vor aller Schöpfung geplant war. Zum Beispiel in Epheser 3,8-12: „Das war und ist sein ewiger Plan. Durch Christus Jesus, unseren Herrn, hat er ihn verwirklicht. Weil wir zu Christus gehören, dürfen wir vertrauensvoll vor Gott treten und frei zu ihm sprechen. Das verdanken wir dem Glauben an Christus.“ Oder Petrus in 1. Petrus 1,18-21: „Ihr wisst ja: Ihr seid von der nutzlosen Lebensweise freigekauft worden, die ihr von euren Vorfahren übernommen hattet – und zwar nicht durch vergängliche Dinge wie Silber oder Gold. Dies geschah vielmehr durch das kostbare Blut von Christus, dem fehlerfreien und makellosen Lamm. Schon vor Erschaffung der Welt war er dazu bestimmt. Aber für euch ist er am Ende der Zeit erschienen. Denn ihr glaubt jetzt durch ihn an Gott. Der hat ihn von den Toten auferweckt und ihm Herrlichkeit verliehen. Deshalb könnt ihr nun euren Glauben und eure Hoffnung auf Gott richten.

 

Weil Jesus nicht auf halbem Weg stehen geblieben ist, weil er aus Liebe zu uns Menschen den Plan Gottes bis zum Ende gegangen ist, kann auch nichts mehr hinzugefügt werden. Es ist vollbracht. Jetzt ist alles vollendet. Die Gnade Gottes triumphiert. Die Sünde, die Trennung von Gott ist besiegt, der Tod wird in der Auferstehung überwunden, Jesus ist Sieger.

Deswegen gilt für dich und mich ebenso eindeutig, wie es in den beiden Bibelworten gegen Ende gesagt wird: Im Glauben wird dies zur persönlichen Wirklichkeit, bekommen wir Anteil daran. Wer sich Jesu Kreuz anvertraut, der erfährt die Vergebung der Sünde, für den wird die Trennung von Gott aufgehoben, der darf vertrauensvoll vor Gott treten. Ich kann uns nur immer wieder ermutigen, sich auf das einzulassen, was Gott in Kreuz und Auferstehung Jesu schon vollbracht hat. Der Weg ist frei, er muss von uns nur noch gegangen werden, indem wir uns zu Gott umkehren. Das Geschenk ist gemacht, wir müssen es nur noch annehmen und auspacken, indem wir vertrauensvoll vor Gott treten und frei zu ihm sprechen. Dazu bist du eingeladen.

 

Wie aber ist das mit dem Lebensgefühl „ich werde nie fertig in dieser Welt“? Daran ändert sich erst einmal nichts, weil es einfach zu unserer Existenz dazu gehört. Es wird auf der einen Seite sogar noch verstärkt, wenn wir in Christus leben. Der Heilige Geist macht uns auf noch viel mehr aufmerksam, was getan werden müsste oder wo sich etwas oder wo wir uns ändern müssten. Und auf der anderen Seite können wir entlastet werden, weil wir dieses Unvollendetsein annehmen können. Wir können unseren Glauben und unsere Hoffnung auf Gott richten. Und das betrifft eben nicht nur unser Leben in dieser schmerzlich unvollendeten Welt, sondern das reicht in die Vollendung in der Gegenwart Gottes, in die Ewigkeit hinein.

 

Ich möchte uns für diesen Tag ermutigen. Wir können beten, liebevoll miteinander umgehen und anderen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Ich möchte uns ermutigen, uns dem anzuvertrauen, der gesagt hat: Es ist vollbracht. Und damit bekommen wir eine lebendige Hoffnung inmitten aller Unvollkommenheit.

 

Pastor Axel Schlüter

 

Johannes 19,28-30 (BasisBibel)

28     Nachdem das geschehen war, wusste Jesus, dass jetzt alles vollendet war. Damit in Erfüllung ging, was in der Heiligen Schrift stand, sagte er: »Ich bin durstig!«

29     In der Nähe stand ein Gefäß voll Essig. Die Soldaten tauchten einen Schwamm hinein. Dann steckten sie ihn auf einen Ysopstängel und hielten ihn Jesus an den Mund.

30     Nachdem Jesus etwas von dem Essig genommen hatte, sagte er: »Jetzt ist alles vollendet.« Er ließ den Kopf sinken und starb.

 

 

BasisBibel. Neues Testament und Psalmen, © 2012 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart: www.basisbibel.de

Kommentar schreiben

Kommentare: 0