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Markus 11,1-11

Zum heutigen Palmsonntag passt das Bibelwort aus Markus 11,1-11; den ganzen Text findest du wieder unten angehängt:

9       Und die Leute, die vor Jesus hergingen und die nach ihm kamen, riefen immer wieder:
»Hosanna! Stimmt ein in unser Loblied auf den, der im Namen des Herrn kommt!

10     Stimmt ein in unser Loblied auf die Herrschaft unseres Vaters David, die jetzt neu beginnt.
Hosanna in himmlischer Höhe!«

 

Jesus zieht auf einem Esel in Jerusalem ein, und das Volk ruft „Hosianna!“. Alles ist hier biblisch aufgeladen, alles wird zu einem Zeichen und hat tiefe Bedeutung.

Nach Sacharia 9,9 kommt der Messias auf einem Esel nach Jerusalem: Juble laut, Tochter Zion, jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir: Gerecht und siegreich ist er, demütig und auf einem Esel reitend, und zwar auf einem Fohlen, einem Jungen der Eselin. Im Talmud, der jüdischen Auslegung der Bibel, ist zu dieser Stelle zu lesen: „Wer im Traum einen Esel sieht, hofft auf das messianische Reich.“ Auch Salomo sollte auf Anordnung seines Vaters David auf einem Esel zu seiner Königssalbung reiten (1. Könige 1,32-40).

Vielleicht verwundert uns, dass sich die ersten sechs Verse in unserem Bibelabschnitt mit dem Losbinden des Esels beschäftigen. Das ist mehr als die Hälfte des Textes. Auch das hat einen Bezug im Alten Testament (1. Mose 49,11): Das Segenswort über Juda („der Löwe von Juda“) hat mit dem Anbinden von Esel und Eselsfüllen an den Weinstock (Bild für Israel) zu tun.

Damals war allen klar, dass sich hier biblische Ankündigung erfüllt – zumindest hat Jesus das so „inszeniert“, und das Volk hat es dankbar aufgenommen. Jesus hat sich im Markusevangelium niemals öffentlich als Messias benannt oder auch so bezeichnen lassen, aber hier macht er zeichenhaft deutlich, was die biblische Stunde geschlagen hat.

Und das Volk ruft „Hosianna“. Was hat es mit diesem Ruf auf sich? Während des Passahfestes werden die so genannten Hallel-Psalmen gelesen und gesungen, die Psalmen 115-118. Siehe auch Markus 14,26. Und in diesem Teil des Passahmahls geht es um die Erwartung auf den Messias. Und der Psalm 118 war dann auch ein Pilgerpsalm beim Hinaufgehen zum Zion, zum Tempel (siehe den Text unten angehängt). Und so wurde aus dem „Ach, HERR, bring doch die Rettung!“ (V.25) – auf Hebräisch Hoschia-na – ein Jubelruf: Der Herr ist Retter!

(Auch die Verse 22-23 wurden von Jesus und der Gemeinde auf Jesu Tod und Auferstehung gedeutet.)

 

Die Karwoche beginnt heute also mit einem hellen Jubelruf, mit Freude und Feiern („Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat. Lasst uns jubeln und uns freuen über ihn!“ Psalm 118,24). Das passt zunächst nicht so richtig zum weiteren Verlauf des Geschehens, zu Karfreitag. Und dennoch gehört es zusammen: Wir können Jesu Tod am Kreuz immer nur durch die Brille der Auferstehung sehen, wir erkennen in ihm den Messias, den Retter und Herrn. Wie es die Menschen bei seinem Einzug gefeiert haben. Deswegen lädt die Karwoche zwar zum Innehalten ein, zum Nachdenken über das, was Jesus für uns auf sich genommen hat. Aber es bleibt immer ein dankbares, erlöstes Nachdenken.

Bei allem ist es keine Trauerzeit, kein Grund zur Traurigkeit. Sicher können wir in uns gehen und uns als Sünder erkennen, die Erlösung nötig haben. Aber auch das führt nicht zu einer abgrundlosen, zerstörerischen Selbsterkenntnis, sondern sie ist eingebettet in die Liebe des Vaters, die Vergebung der Schuld, die Zuwendung Gottes in Jesus Christus.

 

Ich möchte uns für diesen Tag ermutigen. Wir können beten, liebevoll miteinander umgehen und anderen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Ich lade ein zur Selbstprüfung, dass wir wahrnehmen, wie sehr wir das Kreuz Jesu nötig haben. Diese Selbstwahrnehmung startet aber nicht bei uns selbst, auch nicht im Minus, sondern im Halt und der Geborgenheit des Vaters im Himmel. Weil er in Christus vorbehaltlos ja sagt zu uns, können wir den realistischen Blick auf uns wagen.

 

Pastor Axel Schlüter

 

Markus 11,1-11 (BasisBibel)

1       Kurz vor Jerusalem kamen Jesus und seine Jünger nach Betfage und Betanien am Ölberg. Da schickte Jesus zwei seiner Jünger voraus

2       und sagte zu ihnen: »Geht in das Dorf, das vor euch liegt. Gleich, wenn ihr hineinkommt, findet ihr einen jungen Esel angebunden. Auf ihm ist noch nie ein Mensch geritten. Bindet ihn los und bringt ihn her.

3       Und wenn jemand euch fragt: ›Was macht ihr da?‹, dann sagt: ›Der Herr braucht ihn, aber er wird ihn gleich wieder zurückschicken.‹«

4       Die Jünger gingen in das Dorf und fanden den Esel. Er war an einem Hoftor draußen an der Straße angebunden. Sie machten ihn los.

5       Und einige von denen, die dort standen, fragten sie: »Was macht ihr? Wieso bindet ihr den Esel los?«

6       Die zwei Jünger antworteten den Leuten, wie Jesus es gesagt hatte. Da ließen sie es zu.

7       Sie brachten den Esel zu Jesus und legten ihre Mäntel auf seinen Rücken. Und Jesus setzte sich darauf.

8       Viele Leute breiteten ihre Mäntel als Teppich auf der Straße aus. Andere aber legten Zweige hin, die sie am Feldrand abschnitten.

9       Und die Leute, die vor Jesus hergingen und die nach ihm kamen, riefen immer wieder: »Hosanna! Stimmt ein in unser Loblied auf den, der im Namen des Herrn kommt!

10     Stimmt ein in unser Loblied auf die Herrschaft unseres Vaters David, die jetzt neu beginnt. Hosanna in himmlischer Höhe!«

11     So zog Jesus in Jerusalem ein. Er ging in den Tempel. Dort sah er sich alles an. Als es spät geworden war, ging er mit den Zwölfen hinaus nach Betanien.

 

Psalm 118,14-29 (BasisBibel)

14     »Meine Kraft und meine Stärke ist der HERR. Er ist für mich zum Retter geworden.«

15     Jubelrufe und Siegeslieder erklingen in den Zelten, wo die Gerechten wohnen: »Die starke Hand des HERRN wirkt mit Macht!

16     Die starke Hand des HERRN ist hoch erhoben! Die starke Hand des HERRN wirkt mit Macht!«

17     Ich werde nicht sterben, sondern leben und erzählen, was der Herr getan hat!

18     Mit harter Hand hat der Herr mich erzogen, aber dem Tod hat er mich nicht ausgeliefert.

19     Öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit! Ich möchte durch sie hindurchgehen und dem HERRN danken.

20     Dies ist das Tor, das zum HERRN führt. Nur die Gerechten gehen hindurch.

21     Ich will dir danken, weil du mir Antwort gabst. Du bist für mich zum Retter geworden.

22     Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Grundstein geworden.

23     Vom HERRN wurde dies bewirkt. Es ist ein Wunder in unseren Augen.

24     Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat. Lasst uns jubeln und uns freuen über ihn!

25     Ach, HERR, bring doch die Rettung! Ach, HERR, bring alles zum guten Ende!

26     Gesegnet sei, wer im Namen des HERRN kommt! Vom Haus des HERRN her segnen wir euch.

27     Gott ist der HERR! Sein Licht soll für uns leuchten. Schmückt den Festzug mit grünen Zweigen – bis zu den Hörnern des Altars.

28     Du bist mein Gott! Ich danke dir! Mein Gott, ich will dich hoch loben!

29     Dankt dem HERRN! Denn er ist gut. Für immer bleibt seine Güte bestehen.

 

 

BasisBibel. Neues Testament und Psalmen, © 2012 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart: www.basisbibel.de

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