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Jeremia 8,4-7

Heute lesen wir in den Losungen Jeremia 8,4; den Textzusammenhang findest du wieder unten angehängt:

Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gern wieder aufstünde?
Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme?

 

Der Autor Yuval Noah Harari schreibt in seinem Buch Homo Deus – Eine Geschichte von Morgen sinngemäß, dass die Menschen durch alle Zeiten mit einem plötzlichen Tod gerechnet haben, weil eine oder mehrere von drei üblichen Katastrophen jederzeit zuschlagen konnten: Hunger, Krankheit, Krieg. Das Leben war ungewiss, weil niemand voraussehen konnte, wann wieder eine Missernte, eine Verletzung oder Seuche, ein Raubzug oder kriegerische Auseinandersetzung zum Tod führt. Aus heiterem Himmel sozusagen. Im (reichen) Westen aber haben wir uns in der Neuzeit daran gewöhnt, dass diese drei Bedrohungen beherrschbar geworden sind. Hunger kennen wir nicht mehr, gegen Krankheiten gibt es ein funktionierendes Gesundheitswesen und Kriege werden durch diplomatisches Geschick und wegen wirtschaftlicher Interessen von uns fern gehalten. Soweit Yuval Noah Harari.

Der Tod wird als persönliche Beleidigung aufgefasst. Siebzig bis achtzig Jahre werden uns in der Bibel versprochen (Psalm 90,10), aber manchmal bekomme ich den Eindruck, dass mittlerweile alles, was wesentlich vor 100 Jahren liegt, nicht sein darf. Und da geht es nicht nur um den Tod, sondern um alle mit dem Alter verbundenen Einschränkungen. Das nehmen wir persönlich…

Und als sich Corona in China breit machte, war das nicht unser Problem. Dass so etwas in Asien oder Afrika passiert, nun gut, damit ist zu rechnen. In Singapur, Südkorea oder Taiwan, wo man mit solchen Epidemien Erfahrung hat, wurden sofort radikale Maßnahmen ergriffen. Anders im Westen: Hier wurde nur halbherzig reagiert. Und nun hecheln alle hinterher, versuchen zu retten, was zu retten ist. Und die Ansteckungszahlen – leider auch die Todeszahlen – steigen annähernd ungebremst. Wenn das Virus in den Flüchtlingscamps und Slums und armen Ländern dieser Welt ankommt, wird es furchtbar werden.

 

In unserem heutigen Bibelwort wundert Gott sich darüber, dass sein Volk sich so dumm verhält. Die Natur – hier vertreten durch die Zugvögel (V.7) – tut selbstverständlich das Richtige, was zum (Über-)Leben dient. Die Menschen aber wissen, was richtig wäre, tun es aber dennoch nicht. Hier geht es darum, die Gebote, die Ordnungen Gottes einzuhalten. Sie haben nichts dazugelernt.

Hintergrund: Jeremia war ein Prophet Gottes, der in Jerusalem, also der Hauptstadt des Südreiches Juda das Wort Gottes zu sagen hatte. Und er warnte und rief zur Umkehr unmittelbar vor der Katastrophe von 597/587 v. Chr., als die Babylonier das Land erobert und letztlich die Stadt und den Tempel zerstört haben. Knappe 120 Jahre vorher wurde das Nordreich Israel mit seiner Hauptstadt Samaria von den Assyrern zerstört (722 v. Chr.). Die Menschen in Jerusalem hätten daraus lernen können! So die Botschaft von Jeremia im Namen Gottes.

 

Ich frage mich nicht so sehr: Was hätten wir anders machen können? Das ist eher eine Anfrage an die Politik. Sondern eher: Was kann ich aus dieser Situation lernen? Welches „Dummsein“ sollte ich ablegen?

Nun ist die bittere Wahrheit, dass man an diesem Virus sterben kann – trotz bester medizinischer Versorgung. Und dass die Bedrohung durch Ansteckung sicher nicht nach Ostern beseitigt ist. Das bedeutet – rein statistisch gesehen –, dass es irgendwann auch Menschen betrifft, die ich persönlich kenne oder die mir nahe stehen oder sogar aus meiner Familie sind, oder es trifft mich selbst.

Vielleicht ist es an der Zeit, sich von dem falschen Gott (V.5) der Sicherheit abzukehren und sich im Vertrauen neu bei unserem Gott und Vater festzumachen? Und eine Perspektive über dieses Leben hinaus wieder ernsthaft in Betracht zu ziehen? Da geht es nicht nur um ein theoretisches Wissen über die Ewigkeit, sondern wie sehr der Glaube, das Vertrauen in Christus heute meinen Umgang mit der aktuellen Situation mit allen ihren Unsicherheiten und der realistischen Lebensbedrohung prägt.

Anders gefragt: Wie sehr lassen wir uns von der aktuellen Lage lähmen, oder wollen wir mutig gestalten, weil wir uns in unserem Gott gut aufgehoben wissen?

 

Ich möchte uns für diesen Tag ermutigen. Wir können beten, liebevoll miteinander umgehen und anderen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Und das auf dem Hintergrund, dass wir nicht so dumm sein müssen, alles abzusichern (Hamsterkäufe lassen grüßen), sondern wir dürfen im Glauben an unseren Herrn Jesus Christus angemessen, aber auch mutig „einen Unterschied machen“.

 

Pastor Axel Schlüter

 

Jeremia 8,4-7 (Gute Nachricht Bibel)

4    Gottes Auftrag an den Propheten Jeremia:
»Sag zu ihnen: 'So spricht der HERR: Wenn jemand hinfällt, steht er dann nicht schnell wieder auf? Wenn jemand vom Weg abkommt, kehrt er nicht gleich wieder um?

5    Warum bleibt Jerusalem bei seinen falschen Göttern und weigert sich, zu mir zurückzukehren?

6    Ich habe genau gehört, was sie reden. Sie haben ihren Irrtum nicht erkannt. Niemand bereut seine Schlechtigkeit, niemand fragt sich: Was habe ich getan? Alle rennen auf ihrem Irrweg weiter wie Pferde, die sich in die Schlacht stürzen.

 

7    Alle Zugvögel kennen ihre Ordnung und gehen und kommen zu der Zeit, die ich ihnen bestimmt habe: der Storch, die Taube, die Schwalbe, die Drossel. Nur mein Volk hält sich nicht an die Ordnungen, die ich ihm gegeben habe.'«

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