Psalm 102

Heute begegnen wir in der ökumenischen Bibellese Psalm 102; den ganzen Psalm findest du wieder unten angehängt:

HERR, du aber bleibst, der du bist, und deine Jahre enden nie. (V.28)

 

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen, und so haben wir für heute Morgen keinen Wecker gestellt – sehr ungewöhnlich für einen Sonntag, an dem normalerweise frühmorgens ein recht eng getaktetes Programm abläuft. Ich wache also auf, schaue nach der Uhrzeit und fühle mich doch gleich noch einmal mehr erholt: Sooo lange haben wir geschlafen! Bis meine überaus lebenstüchtige Frau murmelt: „Zeitumstellung“. Und da ist doch gleich wieder alles ziemlich normal geworden. Eigentlich ist es eine Stunde früher…

Wenn man über etwas in Kenntnis gesetzt wird, kann das die ganze Wahrnehmung gründlich verändern. Es ist wie in der Mathematik: Ein Minus - unterscheidet sich gar nicht so sehr von einem Plus + und verändert doch alles grundlegend.

Ich möchte dich einladen, heute in einem ruhigen Moment den Psalm 102 betend zu lesen.

·         Der Beter beginnt ganz bei sich und seiner Not (V.1-12). Er ist am Boden zerstört. Er ruft aus der Tiefe zu Gott.

·         Dann erinnert er sich an die Heilstaten Gottes, die sich mit dem Zion (Jerusalem mit dem Tempel) verbinden (V.13-23). Gott hat sein Volk aus dem Exil in Babylon zurückgeführt, der Tempel und die Stadt wurden wieder aufgebaut, Gott wird noch mehr tun.

·         Aus dieser Schau bekommt der Beter den Mut, noch einmal nachdrücklich um Gottes Eingreifen auch in sein persönliches Leben zu bitten (V.24-25).

·         Und schließlich wird aus dem Minus ein Plus (V.26-29): Gott ist nicht nur der Schöpfer dieser Welt, sondern auch der Erhalter, und er wird sie zu Ende führen. Über allem steht aber, dass er sein Volk in seinen Händen hält. Der Beter sieht sich eingebunden in die Geschichte Gottes mit seinem Volk. Es geht nicht nur um ihn, sondern auch um seine Kinder und Enkel.

Das Vorzeichen, das alles ändert, ist dieser schlichte Satz: HERR, du aber bleibst, der du bist, und deine Jahre enden nie. In aller Unsicherheit unseres Lebens dürfen wir uns darauf verlassen, dass Gott immer mit uns und für uns ist. Wir sind nicht alleingelassen. Und Gottes Fürsorge und Liebe, seine Begleitung endet noch nicht einmal mit dem Tod, sondern wird in der Ewigkeit ganz anders und neu unser Leben sein. Siehe Offenbarung 21,1-7; 22,1-5.

 

Ich möchte uns für diesen Tag ermutigen. Wir können beten, liebevoll miteinander umgehen und anderen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Bei allem, was unser Leben im Moment schwierig bis schwer macht, dürfen wir auf die Fürsorge und Liebe Gottes bauen.

 

Pastor Axel Schlüter

 

Psalm 102 (Einheitsübersetzung)

1 Bittgebet eines Gebeugten, wenn er verzagt und vor dem HERRN seine Sorge ausschüttet.

2 HERR, höre mein Bittgebet! Mein Schreien dringe zu dir!

3 Verbirg dein Angesicht nicht vor mir! Wenn ich in Not bin, wende dein Ohr mir zu! Wenn ich dich rufe, eile und erhöre mich!

4 Denn meine Tage sind wie Rauch geschwunden, meine Glieder wie von Feuer verbrannt.

5 Versengt wie Gras und verdorrt ist mein Herz, sodass ich vergessen habe, mein Brot zu essen.

6 Vor lauter Stöhnen und Schreien bin ich nur noch Haut und Knochen.

7 Ich bin wie eine Dohle in der Wüste, wie eine Eule in öden Ruinen.

8 Ich liege wach und ich klage wie ein einsamer Vogel auf dem Dach.

9 Den ganzen Tag verhöhnten mich meine Feinde; die über mich Spott ausgossen, fluchten mit meinem Namen.

10 Denn Staub habe ich gegessen wie Brot, mit Tränen habe ich meinen Trank gemischt.

11 Auf mir lasten dein Zorn und dein Grimm, denn du hast mich hochgerissen und zu Boden geschleudert.

12 Meine Tage schwinden dahin wie Schatten, ich verdorre wie Gras.

13 Du aber, HERR, du thronst für immer und ewig und das Gedenken an dich dauert von Geschlecht zu Geschlecht.

14 Du wirst dich erheben, dich über Zion erbarmen, denn es ist Zeit, ihm gnädig zu sein, die Stunde ist da.

15 An seinen Steinen hängt das Herz deiner Knechte, ob seiner Trümmer tragen sie Leid.

16 Dann fürchten die Völker den Namen des HERRN und alle Könige der Erde deine Herrlichkeit.

17 Denn der HERR hat Zion dann wieder aufgebaut, er ist erschienen in seiner Herrlichkeit.

18 Er hat sich dem Bittgebet der verlassenen Stadt zugewandt, ihre Bittgebete hat er nicht verschmäht.

19 Dies sei aufgeschrieben für das kommende Geschlecht, damit den HERRN lobe das Volk, das noch erschaffen wird.

20 Denn herabgeschaut hat der HERR aus heiliger Höhe, vom Himmel hat er auf die Erde geblickt,

21 um das Seufzen der Gefangenen zu hören, zu befreien, die dem Tod geweiht sind,

22 damit sie den Namen des HERRN auf dem Zion verkünden und sein Lob in Jerusalem,

23 wenn sich dort Völker versammeln, Königreiche, um den HERRN zu verehren.

24 Er hat meine Kraft auf dem Weg gebrochen, er hat meine Tage verkürzt.

25 Darum sage ich: Mein Gott, raff mich nicht weg in der Mitte meines Lebens, deine Jahre überdauern Geschlecht um Geschlecht.

26 Vorzeiten hast du der Erde Grund gelegt, die Himmel sind das Werk deiner Hände.

27 Sie werden vergehen, du aber bleibst; sie alle zerfallen wie ein Gewand; du wechselst sie wie ein Kleid und sie schwinden dahin.

28 Du aber bleibst, der du bist, und deine Jahre enden nie.

29 Die Kinder deiner Knechte werden in Sicherheit wohnen, ihre Nachkommen bestehen vor deinem Angesicht.

 

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