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1. Johannes 3,18-24

Heute lesen wir den Lehrtext zur Losung 1.Johannes 3,19-20; den Textzusammenhang V.18-24 findest du wieder unten angehängt:

Daran erkennen wir, dass wir aus der Wahrheit sind, und können vor ihm unser Herz überzeugen,
dass, wenn uns unser Herz verdammt, Gott größer ist als unser Herz und erkennt alle Dinge.

In diesem Bibelvers findet sich eine „Dreiecksbeziehung“: Es geht um uns (unser Herz), die Wahrheit und Gottes Meinung dazu.

 

Fangen wir mit der Wahrheit an, weil uns dieser Begriff – wieder einmal – vor Augen führt, dass wir nicht einfach unser Verständnis von etwas mit dem gleichsetzen können, was zurzeit der Entstehung des Bibeltextes darunter verstanden wurde.

„Was ist Wahrheit?“ fragt Pilatus (Johannes 18,38), und auch er hatte ein völlig anderes Verständnis davon als Jesus. Wir ähneln wahrscheinlich eher Pilatus: Wenn für uns etwas wahr ist oder der Wahrheit entspricht, dann soll eine Aussage möglichst die Wirklichkeit wiedergeben. Wir sind uns zwar bewusst, dass es unmöglich ist, die Wirklichkeit objektiv wiederzugeben, aber wir gehen doch davon aus, dass man sich dem annähern kann. Nun ist es zu Zeiten von Internet so schwierig geworden, zwischen halbwegs journalistisch seriösen Nachrichten und „Fake News“ zu unterscheiden. Besonders finster wird es, wenn Regierungen versuchen, die Medien nach ihrem Wahrheitsverständnis gleichzuschalten. Und noch unerträglicher ist, dass dies auch immer mehr in Demokratien Einzug hält, wo eigentlich freie „intersubjektive“ Medien eine Kontrollfunktion haben (Balance of Power). Am lautesten schreien diejenigen „Fake News“ oder „Lügenpresse“, die gar kein Interesse an seriöser Meinungsbildung haben.

Wenn wir mit diesem Verständnis – Wahrheit ist die objektive Aussage über die Wirklichkeit – die Aussagen Jesu zur Wahrheit oder andere Bibelworte lesen, dann kommt es sehr schnell dazu, dass auch wir Christen meinen, die Wahrheit gepachtet zu haben und uns über alles und jeden ein Urteil erlauben zu können. Dann weiß ich besser als die Fachleute, dass das Coronavirus in Wirklichkeit ein Anschlag des Teufels oder der Chinesen oder sonst noch was ist. Verschwörungstheorien finden auch unter Christen einen dankbaren Nährboden. Neben der Sünde des Hochmuts machen wir uns dann auch schnell der Sünde des Richtens über andere schuldig. Wir können locker alles und jeden beurteilen, weil wir ja wissen, was wahr ist.

 

Was aber meint Wahrheit im jüdischen Verständnis zur Zeit Jesu? Als Jesus mit Pilatus zusammengetroffen ist, sind ja auch zwei Kulturen aufeinandergeprallt: Hier der Jude Jesu und da der vom griechischen Denken geprägte Römer.

Was meint Wahrheit in der Bibel?

Ich zitiere das Lexikon zur BasisBibel (der ganze Artikel siehe unten):

Nach hebräischer Auffassung ist Wahrheit jedoch eine Eigenschaft, die eine Sache oder Person oder ein Wort selbst hat oder nicht hat. »Wahr« ist etwas, wenn es hält, was es verspricht. »Wahrheit« meint Zuverlässigkeit, also: Beständigkeit und Treue (so wie wir von einem »wahren Freund« oder einem »wahren Wort« sprechen).

Diese Art von »Wahrheit« kommt vor allem Gott zu. Entsprechend ist auch die Botschaft von Gott wahr, sofern darin die Liebe Gottes bekannt gemacht wird, die uns aus Schuld und Tod rettet (Epheser 1,13; Kolosser 1,5; 2. Thessalonicher 2,10-12).

 

Auf den Punkt gebracht: Nach der Bibel ist Wahrheit ein Beziehungsbegriff. Wahrheit bedeutet, dass ich mich ganz und gar auf Gott verlassen kann. Er ist die Wahrheit, weil er treu zu mir steht, sich in Liebe mir zuwendet. Diese Treue und Beständigkeit Gottes ist in Jesus Christus ein für alle Mal Wirklichkeit geworden. Und deswegen ist Wahrheit auch eine Person: Jesus Christus selbst ist die Wahrheit (Johannes 14,6).

 

Und damit wird diese Dreiecksbeziehung in unserem heutigen Bibelwort auch verständlich:

Unser Herz (also wir als Person) will uns immer wieder anklagen. Das bedeutet hier, dass wir unsicher sind oder uns hinterfragen, ob Gott tatsächlich für uns ist, uns wirklich liebt, ob er es wirklich gut mit uns meint. Und diese Fragen und Verunsicherungen können sehr hartnäckig sein, weil sie ganz viel mit unserer Persönlichkeit zu tun haben.

Das klassische Beispiel: Vielleicht habe ich von meinen Eltern von Kindheit an gehört: Du bist nicht in Ordnung, du kannst nichts, aus dir wird nichts. Oder die fromme Variante: Du bist ein Sünder. Wenn du das oder das tust, dann kann Gott dich nicht lieb haben. Du musst bestimmte Bedingungen erfüllen, damit Gott dich überhaupt annehmen kann. Wie sollte jemand mit solch einer Prägung – das Herz, das uns verklagt – überhaupt ernsthaft die Wahrheit hören können? Die Wahrheit über diese Wirklichkeit: Gott liebt dich, achtet dich, hält dich für wertvoll, steht zu dir, bleibt treu an deiner Seite?

Wie kann das geschehen, dass Gott größer ist als unser Herz? Wie kann diese Wirklichkeit unser Leben neu prägen / umprägen?

In der Fortsetzung dieser Bibelverse lesen wir es:

24     An dem Geist, den er uns gegeben hat, erkennen wir: Er ist in uns gegenwärtig.

Ohne den Heiligen Geist geht es nicht. Anders gesagt: Die Wahrheit über Gott und uns erkennen wir nur, weil sie ein Geschenk durch den Geist Gottes ist. Die Wahrheit ist nicht eine Aussage darüber, was wahr oder falsch ist, sondern die Wahrheit ist Jesus Christus. Also diese eine Wirklichkeit: Gott liebt dich so sehr, dass er seinen Sohn für dich in diese Welt gesandt hat, damit du gerettet wirst – in dieser Zeit und bis in die Ewigkeit hinein. Und der Zugang zu dieser Wirklichkeit ist nicht deine Leistung, irgendeine Tat, sondern er wird dir im Glauben geschenkt (Johannes 3,16). Du bist eingeladen, dich Jesus ganz und gar anzuvertrauen. Und darin erlebst du, wie dein Herz, deine Persönlichkeit, heil werden kann. Diese Heilung in der Gegenwart der Liebe Gottes geschieht – in manchen Bereichen sofort, in anderen im Laufe des Lebens, und in vielen auch erst in der Ewigkeit.

 

Pastor Axel Schlüter

 

2. Korinther 7,5-10 (BasisBibel)

18     Ihr Kinder, unsere Liebe darf nicht nur aus Worten und Lippenbekenntnissen bestehen. Sie soll sich in Taten zeigen und darin, dass sie der Wahrheit entspricht.

19     Daran werden wir erkennen, dass die Wahrheit wirklich unser Leben bestimmt. Und damit können wir vor Gott unser Herz beruhigen.

20     Schon unser eigenes Herz klagt uns an. Aber Gott ist größer als unser Herz, er kennt uns durch und durch.

21     Ihr Lieben, wenn unser Herz uns dann nicht mehr anklagt, können wir voller Zuversicht zu Gott aufsehen.

22     Und wir bekommen von ihm, um was wir auch bitten. Denn wir halten seine Gebote und tun, was ihm gefällt.

23     Und das ist sein Gebot: Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben. Und wir sollen einander lieben, so wie Christus es uns geboten hat.

24     Wer seine Gebote hält, lebt in seiner Gegenwart und er ist gegenwärtig in ihm. An dem Geist, den er uns gegeben hat, erkennen wir: Er ist in uns gegenwärtig.

 

BasisBibel – Artikel zu Wahrheit

Mit den Wörtern »wahr« und »Wahrheit« bezeichnen wir in der Regel die Übereinstimmung zwischen einer Aussage und dem entsprechenden Sachverhalt. Wir denken also an ein Verhältnis zwischen der Wirklichkeit und unserem Denken bzw. Sprechen über sie.

Nach hebräischer Auffassung ist Wahrheit jedoch eine Eigenschaft, die eine Sache oder Person oder ein Wort selbst hat oder nicht hat. »Wahr« ist etwas, wenn es hält, was es verspricht. »Wahrheit« meint Zuverlässigkeit, also: Beständigkeit und Treue (so wie wir von einem »wahren Freund« oder einem »wahren Wort« sprechen).

Diese Art von »Wahrheit« kommt vor allem Gott zu. Entsprechend ist auch die Botschaft von Gott wahr, sofern darin die Liebe Gottes bekannt gemacht wird, die uns aus Schuld und Tod rettet (Epheser 1,13; Kolosser 1,5; 2. Thessalonicher 2,10-12).

 

Vor allem im Johannesevangelium und in den Johannesbriefen spielt das Wort »Wahrheit« eine große Rolle. Es bezeichnet die Wirklichkeit Gottes, die Jesus den Menschen zugänglich macht. Sie erfahren diese Wirklichkeit als »Freiheit« (Johannes 8,31-32), »Licht« (Johannes 3,21) und »Leben« (Johannes 14,6). Aber sie ist nur denen einsichtig, die bereits von ihr ergriffen sind (Johannes 18,37-38). Nach dem Tod und der Auferstehung von Jesus bleibt die »Wahrheit« durch den Geist Gottes den Menschen zugänglich, die sich zu Jesus bekennen (Johannes 16,12-15). Deshalb wird der Heilige Geist auch »Geist der Wahrheit« genannt (Johannes 14,16-17; Johannes 15,26). Sie soll das Leben der Glaubenden ganz und gar durchdringen und ihr Handeln bestimmen (Johannes 4,23-24; 1. Johannes 1,6-8; 1. Johannes 2,4).

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