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2. Korinther 7,5-10

Heute lesen wir den Lehrtext zur Losung 2.Korinther 7,10; den Textzusammenhang V.5-10 findest Du wieder unten angehängt:

Die Traurigkeit nach Gottes Willen wirkt zur Seligkeit eine Umkehr, die niemanden reut.

 

Wenn Paulus mit solchen Worten bei uns auf der Kanzel stehen würde – ihr erinnert euch an damals, als wir noch Gottesdienste gefeiert haben –, dann würden wir ihn nicht verstehen. Und in einem Predigtfeedback würde ich ihm – ganz freundlich und vorsichtig natürlich – darauf hinweisen, dass ein Nominalstil beim Predigen eher von übel ist. Das bedeutet, dass der Prediger / die Predigerin viele Substantive aneinanderreiht, aber weitgehend auf Verben verzichtet. Das ist für wissenschaftliche Texte angemessen, macht aber eine Rede abstrakt und unverständlich. Deswegen habe ich den Vers 10 unten auch noch einmal gesondert in verschiedenen Übersetzungen aufgeführt. Da kannst du auf dem ersten Blick erkennen, warum die Bibeln, die in verständlicher Umgangssprache abgefasst sind, einerseits wesentlich mehr Worte brauchen, aber auf der anderen Seite natürlich nicht mehr so präzise übersetzt sind. Eine schöne Gegenüberstellung von Nominal- und Verbalstil findest du hier.

 

Jetzt aber zum Bibeltext. Wieder – wie schon gestern in einem ganz anderen Zusammenhang – merken wir, dass dieser Text einen historischen Hintergrund hat, der sich uns nur noch ansatzweise erschließt. Er ist eben keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern ein Ausschnitt aus einem Brief, den Paulus in einer damals allen bekannten Situation geschrieben hat. Paulus ist in regem Briefkontakt mit den Geschwistern in der Gemeinde in Korinth, und hier deutet sich eine gewisse Entspannung nach einem recht erbitterten Streit an.

Und wir spüren, dass persönliche Begegnungen auch damals wichtiger und gewichtiger waren als der Briefkontakt allein. Das gibt es also nicht erst zu Zeiten von E-Mail; und wir leiden in diesen Tagen ja darunter, dass social distancing (Räumliche Distanzierung) das Gebot der Stunde ist, weil die persönliche Begegnung gesundheitsschädlich werden kann.

Titus also war in Korinth und bringt jetzt gute Nachrichten zu Paulus, der sich wahrscheinlich in Ephesus aufhält. Die Erleichterung von Paulus ist groß. Und er ordnet die Briefe, die er in der Vergangenheit schreiben musste, den Veränderungen bei den Korinthern zu. Er geht jetzt davon aus, dass seine mitunter deutlichen und auch harten Worte nicht nur menschlichen Ursprungs waren, sondern von Gott so gewollt waren.

Wie kommt er zu dieser Einschätzung?

Nun könnten wir argumentieren: Nun, das ist doch der Apostel Paulus, da ist doch alles, was er gesagt und geschrieben hat, von Gott inspiriert. Und tatsächlich, zum Beispiel lesen wir im Galaterbrief Kapitel 1, dass Paulus genauso argumentiert. Seine Worte als von Gott berufenem Apostel sind an sich von Jesus autorisiert. Keine Diskussion möglich. Aber: Da geht es um das Zentrum des Glaubens, um das Evangelium von der Rettung ohne eigenes Zutun. Da kennt Paulus keine Kompromisse.

Bei den Korinthern war die Sache etwas anders gelagert. Da geht es darum, wie die Gemeinde ihr Leben so gestaltet, dass es dem Evangelium angemessen ist. Da ist viel Diskussion möglich. Und es ging auch um die Person des Paulus, die in Korinth sehr angefochten war. Wenn er in allem steil von oben mit seinem Apostelamt argumentiert hätte, dann hätten die Korinther wahrscheinlich schnell dicht gemacht.

In unserem Vers 10 aber rollt er die Sache von hinten auf: Weil die Korinther offensichtlich ihre Haltung geändert haben, und weil das nur durch Gottes Wirken geschehen kann, deswegen waren seine, Paulus Worte von Gott gewollt.

Ich finde diesen Vers 10 sehr hilfreich – gerade auch für den Umgang miteinander:

Die gottgewollte Traurigkeit verursacht nämlich Sinnesänderung zum Heil, die nicht bereut zu werden braucht;
die weltliche Traurigkeit aber führt zum Tod.

Das Wort „Traurigkeit“ würde ich so deuten: etwas, das jemanden bewegt, beunruhigt, zum Nachdenken bringt, das Herz berührt, nicht in Ruhe lässt. Wenn diese Traurigkeit dazu führt, dass jemand seinen Sinn neu ausrichtet, also zum Heil umkehrt, dann ist das eine gute, von Gott gewollte Traurigkeit. Es gibt aber auch eine schlechte, aussichtslose Traurigkeit, die ohne Perspektive ist, die jemanden innerlich sterben lässt. Die wird in dieser Welt leider überall hervorgerufen.

Mich fordert das heraus für meinen Umgang mit meinen Mitmenschen. Rede ich so mit ihnen, dass meine Worte die Chance haben, von Gott gewollt zu sein?

Wir lesen in Epheser 4,29.32:

Kein böses Wort soll über eure Lippen kommen. Vielmehr sollt ihr stets ein gutes Wort haben, um jemanden aufzubauen, wenn es nötig ist. Dann bringt dieses Wort denen Gnade, die es hören.

Seid vielmehr gütig und barmherzig zueinander. Vergebt einander, wie Gott euch durch Christus vergeben hat.

Sicher kann ich keine Veränderung zum Guten oder gar zum Heil bei einem Menschen bewirken, das kann nur Gott allein schenken. Ich kann aber durchaus so reden, dass jemanden der Weg dorthin eröffnet wird, dass jemand ermutigt wird, mit dem lebendigen Gott in seinem Leben zu rechnen.

Und ich kann – leider – auch so reden, dass es zu einer weltlichen Traurigkeit führt, die Menschen nicht zum Leben ermutigt, sondern ihnen im Gegenteil auch noch den Lebensmut nimmt.

 

Pastor Axel Schlüter

 

2. Korinther 7,5-10 (Einheitsübersetzung)

5       Als wir nach Mazedonien gekommen waren, fanden wir in unserer Schwachheit keine Ruhe. Überall bedrängten uns Schwierigkeiten: von außen Kämpfe, von innen Ängste.

6       Aber Gott, der die Niedergeschlagenen tröstet, hat auch uns getröstet, und zwar durch die Ankunft des Titus –

7       nicht nur durch seine Ankunft, sondern auch durch den Trost, den er bei euch erfahren hatte. Er erzählte uns von eurer Sehnsucht, eurer Klage, eurem Eifer für mich, sodass ich mich noch mehr freute.

8       Dass ich euch aber mit meinem Brief traurig gemacht habe, tut mir nicht leid. Wenn es mir auch eine Weile leid tat - ich sehe ja, dass dieser Brief euch, wenn auch nur für kurze Zeit, traurig gemacht hat – :

9       jetzt freue ich mich, nicht weil ihr traurig geworden seid, sondern weil die Traurigkeit euch zur Sinnesänderung geführt hat. Denn es war eine gottgewollte Traurigkeit; so ist euch durch uns kein Nachteil erwachsen.

10     Die gottgewollte Traurigkeit verursacht nämlich Sinnesänderung zum Heil, die nicht bereut zu werden braucht; die weltliche Traurigkeit aber führt zum Tod.

Gute Nachricht-Bibel

10     Denn der Schmerz, wie Gott ihn haben will, ruft eine Reue hervor, die niemand je bereut; denn sie führt zur ewigen Rettung. Der Schmerz, wie ihn die Menschen dieser Welt empfinden, führt dagegen zum ewigen Tod.

BasisBibel

10     Denn eine solche gottgewollte Traurigkeit bewirkt eine Änderung des Lebens, die zur Rettung führt – und die bereut man nicht. Dagegen führt eine Traurigkeit, wie sie die Menschen dieser Welt empfinden, ganz sicher zum Tod.

Hoffnung für alle

10     Denn die von Gott bewirkte Traurigkeit führt zur Umkehr und bringt Rettung. Und wer sollte das jemals bereuen! Nur die Traurigkeit, die rein menschlicher Art ist, bewirkt den Tod.

Volxbibel

 

10     Gott kann sogar ätzende Gefühle benutzen, damit wir unser Leben ändern und wieder alles gut wird. Nur die ätzenden Gefühle, die uns nicht dazu bringen, unser Leben zu ändern, die bringen uns irgendwann um.

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