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Apostelgeschichte 14,17

Heute lesen wir in den Losungen:

Gott hat sich selbst nicht unbezeugt gelassen,

hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben,

hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt.

Apostelgeschichte 14,17

Dieser Bibelvers steht in einem spannenden Zusammenhang (Du findest den ganzen Bibeltext unten angehängt) – Spannungen gibt es in alle Richtungen. Paulus und Barnabas sind auf der ersten Missionsreise in Kleinasien unterwegs – im Süden der heutigen Türkei (Lystra lag etwas östlich vom heutigen Antalya). Im Namen Jesu heilen sie einen querschnittsgelähmten Mann. Die Reaktion der Leute ist spannend, sie interpretieren dieses Erlebnis im Rahmen ihrer Vorstellungswelt: Zeus und Hermes, also wichtige griechische Götter, sind in diesen beiden unbekannten Männern auf die Erde gekommen. Und Paulus und Barnabas brauchen wiederum einen Moment, bis sie verstehen, was da gerade passiert. Weil es eben so gar nicht in ihre – jüdisch-christliche – Weltwahrnehmung hineinpasst. Und sie haben Mühe, den Leuten eine neue Sichtweise zu vermitteln.

Zuerst stellen sie fest: „Wir sind doch Menschen genau wie ihr.“ Auch wenn Paulus und Barnabas im Namen Jesu unterwegs sind, um die Gute Nachricht weiterzusagen – sie sind und bleiben doch ganz in diese Welt eingebunden.

Und dann versuchen sie, den Leuten ihren Glauben an den einen Gott zu vermitteln. Sie kommen noch gar nicht dazu, von Jesus zu reden, sie müssen erst einmal bei den ganz grundsätzlichen Wahrheiten anfangen: Wollt ihr an den einen Gott und Schöpfer glauben, der sich um jeden Menschen liebevoll kümmert – oder an die für die Menschen nutzlosen und schädlichen Götter?

Waren Paulus und Barnabas erfolgreich in Lystra? Nicht so sonderlich auf den ersten Blick. Später ist in Kapitel 16 die Rede von den Geschwistern in Lystra, und dass Paulus dort Timotheus kennenlernt und in sein Team eingliedert.

 

Wie können wir dieses Bibelwort für uns heute lesen und darin Gottes Wort in unsere Situation erkennen?

Erst einmal müssen wir in den letzten Wochen überdeutlich feststellen, dass wir eingebunden sind mitten in unsere Gesellschaft. Wir sind Menschen genauso wie unsere Mitmenschen. Zwar gibt es hier und da in der weiten Welt Christen, die im Coronavirus einen antichristlichen Angriff sehen und dem glaubensstark widerstehen wollen, indem sie z. B. weiterhin Gottesdienste feiern. Zu solchen wirklichkeitsfremden Leuten gehören wir nicht. Wir müssen uns auch als Gläubige und als Gemeinde mit der Situation arrangieren – wie alle anderen auch. „Wir sind doch Menschen genau wie ihr.“

Und doch dürfen wir mitten in der Realität der Fakten eine Wahrnehmung haben, die uns die Wissenschaftler, Politiker und Wirtschaftsleute nicht bieten können: Wir wissen uns und unsere Familien und sogar diese ganze Welt in der Hand Gottes, von dem Paulus sagt: „Er hat sich immer wieder deutlich zu erkennen gegeben – durch all das Gute, das er tut: Vom Himmel her gibt er euch Regen und lässt die Ernte reifen. Er schenkt euch Nahrung und erfüllt euer Herz mit Freude.“

Daraus folgt für Dich und mich, dass wir uns einen erweiterten Blick schenken lassen können – nicht der Panik und der Angst, sondern mit Dankbarkeit, Hoffnung und Zuversicht. Und wir können entsprechend beten.

 

Und vielleicht ergibt sich auch die Möglichkeit, unseren Mitmenschen diese Sicht zu vermitteln. Nicht abgehoben und realitätsfern, sondern inmitten dieser für alle gleichen Situation. Wir glauben an einen Gott und Schöpfer, der die Menschen liebt und versorgt. Und der mitleidet, wo es eben nicht gut ausgeht. Das hat er am Kreuz Jesu ein für alle Mal gezeigt.

 

Pastor Axel Schlüter

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